Autor: O K

  • Rentenbescheid verstehen: Deine Rechte und wichtigsten Infos

    Rentenbescheid verstehen: Deine Rechte und wichtigsten Infos

    Themen in diesem Artikel:

    • Rechtliche Bedeutung: Der Rentenbescheid ist ein verbindlicher Verwaltungsakt mit Widerspruchsrecht und einmonatiger Frist zur Anfechtung
    • Inhalte des Bescheids: Monatliche Rentenhöhe, Rentenart, Renteneintrittsalter, Versicherungsform und detaillierter Versicherungsverlauf sind die zentralen Angaben
    • Widerspruchsverfahren: Schriftlicher Widerspruch innerhalb eines Monats möglich, kostenfrei und ohne Anwaltszwang beim Sozialgericht
    • Unterschied zu anderen Dokumenten: Renteninformation und Rentenauskunft sind Prognosen, nur der Rentenbescheid ist rechtsverbindlich
    • Jährliche Renteninformation: Ab 27 Jahren erhältst du eine unverbindliche Prognose über deine voraussichtliche Altersrente
    • Rentenauskunft ab 55: Alle drei Jahre kommt ein ausführlicheres Dokument mit detailliertem Versicherungsverlauf und Informationen zum Rentenbeginn

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Der Rentenbescheid ist dein wichtigstes Dokument für den Ruhestand. Er teilt dir verbindlich mit, wie viel Rente du monatlich erhältst und ab wann. Mit Erreichen des Rentenalters beginnt für viele Menschen eine neue Lebensphase voller Möglichkeiten für die eigenen Hobbys. Statt des monatlichen Lohns vom Arbeitgeber kommt nun vom Staat eine Rente. Für deine Lebensqualität ist entscheidend, wie hoch diese im Monat ausfällt.

    Rechtliche Einordnung des Rentenbescheids

    Juristisch gesehen ist der Rentenbescheid kein bloßer Brief oder eine Auskunft, sondern ein Verwaltungsakt der deutschen Rentenversicherung gegenüber den versicherten Bürger:innen. Dies hat einige wichtige Auswirkungen für dich.

    Als Rentner:in oder Antragssteller:in hast du Anspruch auf den Rechtsweg. Du kannst dich also gegen einen Rentenbescheid wehren, den du für dich als nachteilig erachtest. Da der Rentenbescheid ein verbindlicher Rechtsakt zwischen dem Staat und den Versicherten ist, sind bestimmte Formalia einzuhalten. Außerdem muss das Dokument nachweislich zugestellt worden sein, damit es gültig wird.

    Nach Erhalt des Rentenbescheids gibt es eine Frist von einem Monat, in der du gegen Punkte des Bescheids widersprechen kannst. Für im Ausland lebende Deutsche sind es drei Monate. Diese Frist solltest du unbedingt im Blick behalten, denn danach wird der Bescheid bestandskräftig.

    📌 Gut zu wissen

    Die Widerspruchsfrist beginnt mit dem Tag nach der Zustellung des Rentenbescheids. Bewahre daher unbedingt den Briefumschlag mit dem Poststempel auf – er dient als Nachweis für den Zustellungszeitpunkt und ist bei einem eventuellen Widerspruch wichtig.

    Die wichtigsten Informationen im Rentenbescheid

    Der Rentenbescheid ist ein Antwortschreiben der Deutschen Rentenversicherung, wenn Versicherte ihren Rentenantrag gestellt haben. Er enthält einige wesentliche Informationen, die Einfluss auf die Höhe und Art der monatlichen Rente haben. Das Wichtigste steht gut strukturiert gleich auf der ersten Seite.

    Die Höhe der monatlichen Rente findest du neben dem Begriff „monatlicher Zahlbetrag“. Diese Summe ist für deine finanzielle Planung im Ruhestand zentral. Die Rentenart gibt an, welche Form der Rente du erhältst. Neben der regulären Altersrente gibt es weitere Rentenarten, zum Beispiel die Hinterbliebenenrente oder die Erwerbsminderungsrente.

    Das Renteneintrittsalter zeigt dir das Datum, ab wann du den monatlichen Rentenbezug geltend machen kannst, sofern du einen entsprechenden Antrag gestellt hast. Bei einigen Rentenarten, zum Beispiel der Erwerbsminderungsrente, kann es zudem ein Enddatum für Zahlungen geben. Die Versicherungsform informiert dich darüber, wie du während der Rente kranken- und pflegeversichert bist.

    Der Versicherungsverlauf ist besonders wichtig zu prüfen. Eine chronologische Aufzählung zeigt auf, welche Beträge du in deinem bisherigen Leben in die Rentenkassen eingezahlt hast, und ob Lebensphasen wie Ausbildung oder Kindererziehung berücksichtigt sind. Diese Angaben gilt es genau zu prüfen, weil sie die Höhe der Rente maßgeblich beeinflussen. Bei Fehlern solltest du unbedingt Widerspruch einlegen.

    💡 Tipp

    Prüfe deinen Versicherungsverlauf besonders sorgfältig auf fehlende Zeiten: Ausbildungszeiten, Kindererziehungszeiten, Zeiten der Arbeitslosigkeit oder Krankheit müssen vollständig erfasst sein. Sammle dazu alte Unterlagen wie Ausbildungsnachweise, Geburtsurkunden der Kinder oder Arbeitslosenbescheide – diese kannst du bei Lücken als Nachweis einreichen.

    Widerspruch beim Rentenbescheid

    Ein Widerspruch gegen den Rentenbescheid muss schriftlich – am besten per Einschreiben – innerhalb der einmonatigen Frist beim zuständigen Rentenversicherungsträger eingereicht werden. Online ist das auf dem Portal der Rentenversicherung ebenso möglich. Nenne den Grund des Widerspruchs und schicke am besten Kopien der relevanten Unterlagen mit, die deine Argumentation unterstützen.

    💡 Tipp

    Falls du die Frist nicht einhalten kannst, weil noch Unterlagen fehlen: Lege zunächst formlos Widerspruch ein mit einem kurzen Schreiben wie „Hiermit lege ich Widerspruch gegen den Rentenbescheid vom [Datum] ein. Die Begründung reiche ich nach.“ Die ausführliche Begründung kannst du dann innerhalb angemessener Zeit nachreichen.

    Sollte die Rentenversicherung den Widerspruch nach einer Prüfung ablehnen, bleibt dir die Möglichkeit der Klage beim Sozialgericht. Sowohl der Widerspruch als auch die Klage sind kostenfrei. Ein Anwaltszwang besteht nicht, aber eine fachliche Beratung kann die Erfolgschancen erhöhen. Du gehst also kein finanzielles Risiko ein, wenn du deine Rechte wahrnimmst.

    Weitere Schreiben von der Rentenversicherung

    Leider gibt es bei vielen Menschen häufig Missverständnisse darüber, welches Rentenschreiben sie eigentlich gerade vorliegen haben. Einen Rentenbescheid stellt die Rentenversicherung als rechtsverbindliches Dokument in der Regel nur einmal auf Antrag zum Rentenbeginn aus. Daneben gibt es aber noch andere wichtige Dokumente, die du kennen solltest.

    Die Renteninformation

    Alle über 27-jährigen Versicherten, die seit mindestens fünf Jahren Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben, bekommen einmal pro Jahr eine Renteninformation zugeschickt. Im Gegensatz zum Rentenbescheid ist sie rechtlich nicht bindend, sondern nur eine Prognose.

    Das Schreiben enthält etwa die Angaben zur voraussichtlichen Höhe der regulären Altersrente und die Rentenansprüche, bliebe es bei den bisher geleisteten Beiträgen. Darüber hinaus enthält das Schreiben die Information, wie hoch die Erwerbsminderungsrente aktuell wäre, falls du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitsfähig sein solltest. Diese Informationen helfen dir bei der langfristigen Finanzplanung.

    📌 Gut zu wissen

    Die Renteninformation basiert auf aktuellen Werten und Gesetzen. Künftige Rentenerhöhungen, Inflation oder Gesetzesänderungen sind nicht berücksichtigt. Die tatsächliche Kaufkraft deiner späteren Rente kann daher erheblich von den genannten Beträgen abweichen.

    Die Rentenauskunft

    Nach ihrem 55. Geburtstag erhalten Rentenversicherte automatisch alle drei Jahre die Rentenauskunft. Sie ersetzt die Renteninformation und ist deutlich ausführlicher und aussagekräftiger. Sie listet im Versicherungsverlauf zudem die für die Berechnung der Rentenhöhe wichtigen Beitrags- und Fehlzeiten auf.

    Die Rentenauskunft informiert dich zudem über den regulären Rentenbeginn und ab wann dieser mit Abschlägen früher möglich wäre. Wie die Renteninformation ist die Rentenauskunft rechtlich nicht verbindlich, sondern nur eine Prognose. Es lohnt sich dennoch, den Versicherungsverlauf genau zu prüfen und bei Unstimmigkeiten frühzeitig zu reagieren.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Was ist der Unterschied zwischen Rentenbescheid und Renteninformation?

    Der Rentenbescheid ist ein rechtsverbindlicher Verwaltungsakt zum Rentenbeginn, während die Renteninformation eine jährliche, unverbindliche Prognose für über 27-Jährige darstellt. Nur der Rentenbescheid legt deine tatsächliche Rentenhöhe fest.

    Q

    Wie lange habe ich Zeit für einen Widerspruch gegen meinen Rentenbescheid?

    Du hast ab Erhalt des Rentenbescheids einen Monat Zeit für einen Widerspruch. Für im Ausland lebende Deutsche beträgt die Frist drei Monate. Die Frist beginnt am Tag nach der Zustellung.

    Q

    Muss ich einen Anwalt für den Widerspruch beauftragen?

    Nein, es besteht kein Anwaltszwang. Du kannst den Widerspruch selbst schriftlich einlegen. Sowohl der Widerspruch als auch eine eventuelle Klage beim Sozialgericht sind kostenfrei. Eine fachliche Beratung kann aber die Erfolgschancen erhöhen.

    Q

    Was sollte ich im Versicherungsverlauf besonders prüfen?

    Prüfe ob alle Beitragszeiten, Ausbildungszeiten, Kindererziehungszeiten, Zeiten der Arbeitslosigkeit oder Krankheit vollständig erfasst sind. Fehlende oder falsche Zeiten können deine Rentenhöhe erheblich mindern und sollten korrigiert werden.

    Q

    Ab wann bekomme ich eine Rentenauskunft statt der Renteninformation?

    Nach deinem 55. Geburtstag erhältst du automatisch alle drei Jahre eine Rentenauskunft. Sie ersetzt die jährliche Renteninformation und ist deutlich ausführlicher mit einem detaillierten Versicherungsverlauf.

    Q

    Kann ich online Widerspruch gegen meinen Rentenbescheid einlegen?

    Ja, du kannst den Widerspruch online über das Portal der Deutschen Rentenversicherung einreichen. Alternativ geht es schriftlich per Brief, am besten als Einschreiben mit Rückschein für einen Zustellungsnachweis.

  • Steuersoftware Vergleich: Die 5 besten Programme im Test

    Steuersoftware Vergleich: Die 5 besten Programme im Test

    Themen in diesem Artikel:

    • Elektronische Steuererklärung: Durchschnittlich 1.000 Euro Rückerstattung möglich – je mehr Werbungskosten und Sonderausgaben, desto höher die Erstattung vom Finanzamt
    • Abgabefristen und ELSTER: Verpflichtende Abgabe bis 31. Juli (verlängert für 2022-2024), freiwillige Abgabe bis vier Jahre nach Steuerjahr möglich
    • Steuersoftware im Vergleich: WISO, Smartsteuer, Steuerbot, Taxfix und Wundertax bieten unterschiedliche Funktionen für verschiedene Nutzergruppen und Steuerfälle
    • WISO Steuer: Alleskönner für Arbeitnehmer:innen und Selbstständige mit Einnahmenüberschussrechnung, Buchführungsimport und Kryptowährungserfassung
    • Smartsteuer: Besonders nutzerfreundliche Alternative zu WISO mit intuitiver Bedienung, ideal für Steuer-Anfänger:innen und komplexe Fälle gleichermaßen

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Du möchtest Geld vom Finanzamt zurückbekommen? Dann lohnt sich eine Steuererklärung – und die kannst du selbst erstellen. Rund die Hälfte aller Steuerzahler:innen ist zur Abgabe verpflichtet, darunter Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirt:innen. Doch auch als Arbeitnehmer:in profitierst du davon, selbst wenn du aufgrund des monatlichen Steuerabzugs eigentlich keine Erklärung abgeben müsstest. Eine Steuersoftware hilft dir dabei, deine Steuererklärung elektronisch ans Finanzamt zu übermitteln – schnell, einfach und ohne Steuerberater.

    Die Auswahl an Anbietern ist groß, und jedes Programm hat seine eigenen Stärken. Welche Software passt zu deiner Situation? Worin unterscheiden sich die einzelnen Programme? Und welche Funktionen brauchst du wirklich? Dieser Artikel zeigt dir, was die gängigsten Steuerprogramme leisten und für wen sie sich eignen.

    Kurz erklärt: Die elektronische Steuererklärung

    Eine Steuererklärung kann sich richtig lohnen. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass die durchschnittliche Rückerstattung vom Finanzamt bei rund 1.000 Euro liegt. Je nach deiner Lebenssituation und Steuerlast fällt dieser Betrag deutlich höher oder niedriger aus. Die Grundregel ist einfach: Je mehr Werbungskosten und Sonderausgaben du geltend machst, desto mehr Geld bekommst du zurück.

    Für deine Rückerstattung musst du dem Finanzamt eine elektronische Steuererklärung übermitteln. Wenn dein Steuerfall nicht besonders komplex ist, kannst du in der Regel auf einen Steuerberater verzichten und die Steuererklärung selbst erstellen. Das spart nicht nur Geld, sondern gibt dir auch die volle Kontrolle über deine Angaben.

    💡 Tipp

    Sammle über das Jahr hinweg alle Belege für Werbungskosten wie Fortbildungen, Arbeitsmittel oder Fahrtkosten. Eine durchdachte Dokumentation kann deine Rückerstattung erheblich steigern – oft sind es die kleinen Ausgaben, die sich am Ende summieren!

    Abgabefristen für die Steuererklärung

    Die Frist für deine Steuererklärung hängt davon ab, ob du zur Abgabe verpflichtet bist oder sie freiwillig einreichst. Wenn du verpflichtet bist, gilt grundsätzlich der 31. Juli des Folgejahres als gesetzliche Abgabefrist. Für das aktuelle Jahr 2022 und die beiden darauffolgenden Jahre wurden die Fristen allerdings verlängert, was dir mehr Zeit verschafft.

    📌 Gut zu wissen

    Bei einer freiwilligen Steuererklärung hast du vier Jahre Zeit nach Ende des Steuerjahres. Das bedeutet: Für das Steuerjahr 2020 kannst du noch bis Ende 2024 deine Erklärung einreichen. Diese lange Frist gibt dir die Möglichkeit, auch rückwirkend Geld vom Finanzamt zurückzuholen!

    Bei einer freiwilligen Abgabe hast du deutlich mehr Spielraum. Du musst deine Steuererklärung spätestens vier Jahre nach dem Ende des Steuerjahres beim Finanzamt abgeben. Das gibt dir ausreichend Zeit, alle relevanten Belege zusammenzutragen und deine Angaben sorgfältig zu prüfen.

    Was ist ELSTER?

    Die elektronische Abgabe der Steuererklärung ist inzwischen verpflichtend – und genau hier kommt ELSTER ins Spiel. ELSTER steht für ELektronische STeuerERklärung und ist ein 1996 eingeführtes Steuerverwaltungsprogramm der Finanzämter. Wenn du dir einen Account bei ELSTER einrichtest, kannst du deine Steuererklärung kostenlos elektronisch an das Finanzamt übermitteln.

    Besonders praktisch: Informationen, die dem Finanzamt bereits bekannt sind, kannst du über ELSTER direkt abrufen. Dazu gehört beispielsweise die elektronische Lohnsteuerbescheinigung deines Arbeitgebers. Diese Daten lassen sich direkt in deine Steuererklärung übertragen, was dir viel Tipparbeit erspart.

    💡 Tipp

    Nutze die vorausgefüllte Steuererklärung in ELSTER! Viele Daten wie Lohnsteuerbescheinigung, Krankenversicherungsbeiträge oder Riester-Beiträge sind bereits hinterlegt. Du musst sie nur noch prüfen und ergänzen – das spart Zeit und vermeidet Tippfehler.

    Mit ELSTER kannst du deine Steuererklärung online ausfüllen, vorhandene Daten übertragen und die fertige Erklärung elektronisch übermitteln – alles kostenfrei. Kostenpflichtige Steuerprogramme anderer Anbieter rechtfertigen ihren Preis jedoch durch nützliche Zusatzfunktionen, die dir die Arbeit noch weiter erleichtern.

    Steuersoftware: Was die Programme leisten – und kosten

    Der Markt bietet zahlreiche Steuerprogramme, die dir alle dabei helfen, deine Steuererklärung möglichst schnell und einfach elektronisch zu übermitteln. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Nicht jedes Programm ist als App verfügbar, und nicht alle bieten eine Suchfunktion. Vor allem eignet sich nicht jede Software gleichermaßen für Arbeitnehmer:innen und Selbstständige.

    📌 Gut zu wissen

    Die Kosten für eine Steuersoftware kannst du in der nächsten Steuererklärung als Werbungskosten absetzen! Die Ausgabe von 20-40 Euro zahlt sich also doppelt aus: durch die Zeitersparnis und die steuerliche Absetzbarkeit.

    Welches Programm das richtige für dich ist, hängt stark von deiner individuellen Lebenssituation und deinen persönlichen Anforderungen an die Software ab. Im Folgenden werden fünf gängige Steuerprogramme vorgestellt: WISO, Smartsteuer, Steuerbot, Taxfix und Wundertax. Jedes dieser Programme hat seine eigenen Stärken und richtet sich an unterschiedliche Nutzergruppen.

    Steuerprogramme für alle Fälle

    WISO Steuer

    WISO Steuer gilt als echter Alleskönner unter den Steuerprogrammen. Ob du Freiberufler:in oder Arbeitnehmer:in bist, ob dein Steuerfall simpel oder komplex ist – WISO lässt sich für verschiedenste Steuersituationen anwenden. Das Programm ist in verschiedenen Versionen erhältlich, wobei du für besonders komplexe Steuererklärungen die Vollversion benötigst.

    Das Programm leitet dich Schritt für Schritt durch die Steuererklärung und unterstützt dich mit nützlichen Zusatzinformationen. Allerdings ist WISO nicht an jeder Stelle selbsterklärend, weshalb etwas Vorwissen in Sachen Steuern von Vorteil ist. Besonders für Selbstständige und Freelancer:innen empfiehlt sich WISO, da es auch bei der erforderlichen Einnahmenüberschussrechnung unterstützt und die Buchführung importiert werden kann.

    💡 Tipp

    Teste WISO Steuer kostenlos und unverbindlich, da kein Account nötig ist. Du kannst deine komplette Steuererklärung erstellen und siehst sogar deine voraussichtliche Erstattung. Erst beim Versand ans Finanzamt wird die Bezahlung fällig – so gehst du kein Risiko ein!

    Weitere Pluspunkte von WISO Steuer machen das Programm besonders attraktiv. Die integrierte Suchfunktion hilft dir, schnell die richtigen Eingabefelder zu finden. Du kannst WISO als Desktop-Anwendung, App und Webversion nutzen, was dir maximale Flexibilität bietet. Die vorausgefüllte Steuererklärung durch elektronischen Belegabruf spart dir Zeit, und sogar Gewinne durch Kryptowährung lassen sich als privates Veräußerungsgeschäft erfassen.

    Smartsteuer

    Smartsteuer bewegt sich auf dem gleichen Level wie WISO Steuer und eignet sich für simple und schwierige Fälle gleichermaßen. Das Programm richtet sich sowohl an Arbeitnehmer:innen als auch an Selbstständige, da es bei der Einnahmeüberschussrechnung hilft. Gegenüber WISO punktet Smartsteuer allerdings mit größerer Nutzerfreundlichkeit, was Steuer-Anfänger:innen die Arbeit deutlich erleichtert.

    📌 Gut zu wissen

    Smartsteuer ist nur als Webversion verfügbar – keine Desktop-Installation möglich. Das hat Vor- und Nachteile: Du brauchst immer eine Internetverbindung, kannst aber von jedem Gerät aus auf deine Steuererklärung zugreifen. Ideal für Menschen, die flexibel arbeiten möchten!

    Im Gegensatz zu WISO ist Smartsteuer allerdings nur als Webversion verfügbar, was bedeutet, dass du eine Internetverbindung benötigst. Das Programm überzeugt durch seine intuitive Bedienung und bietet Erklärungen direkt bei der Eingabe. Deine Steuererklärungen können verschlüsselt werden, was zusätzliche Sicherheit bietet.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Wie hoch ist die durchschnittliche Steuerrückerstattung in Deutschland?

    Laut Statistischem Bundesamt liegt die durchschnittliche Rückerstattung vom Finanzamt bei rund 1.000 Euro. Die tatsächliche Höhe hängt von deinen Werbungskosten, Sonderausgaben und deiner individuellen Steuerlast ab.

    Q

    Muss ich als Arbeitnehmer:in eine Steuererklärung abgeben?

    Als Arbeitnehmer:in bist du meist nicht zur Abgabe verpflichtet, da die Lohnsteuer bereits monatlich abgezogen wird. Eine freiwillige Steuererklärung lohnt sich aber fast immer, da du Werbungskosten und Sonderausgaben geltend machen und so Geld zurückbekommen kannst.

    Q

    Was kostet eine gute Steuersoftware?

    Die meisten Steuerprogramme kosten zwischen 15 und 40 Euro pro Jahr. ELSTER ist komplett kostenlos. Die Kosten für kostenpflichtige Software kannst du als Werbungskosten in der nächsten Steuererklärung absetzen.

    Q

    Kann ich meine Steuererklärung auch ohne Internet machen?

    Ja, einige Programme wie WISO Steuer bieten Desktop-Versionen, die offline funktionieren. Nur für den finalen Versand ans Finanzamt brauchst du eine Internetverbindung. Reine Web-Programme wie Smartsteuer benötigen hingegen durchgehend Internet.

    Q

    Welche Steuersoftware eignet sich für Kryptowährungen?

    WISO Steuer bietet spezielle Funktionen für die Erfassung von Kryptowährungsgewinnen als private Veräußerungsgeschäfte. Die Software unterstützt dich bei der korrekten steuerlichen Behandlung von Bitcoin & Co.

  • Immobilien als Kapitalanlage: Eigenheim oder Vermietung?

    Immobilien als Kapitalanlage: Eigenheim oder Vermietung?

    Themen in diesem Artikel:

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Immobilien gelten als Betongold und versprechen Sicherheit sowie Wertsteigerung. Doch lohnt sich der Kauf einer Immobilie wirklich als Geldanlage? Die Antwort hängt stark davon ab, ob du selbst darin wohnen oder die Immobilie vermieten möchtest. Beide Varianten bringen unterschiedliche finanzielle Aspekte, Freiheiten und Verpflichtungen mit sich. Während das selbstgenutzte Eigenheim vor allem Wohnkomfort und gestalterische Freiheit bietet, steht bei der vermieteten Eigentumswohnung die Rendite im Vordergrund.

    Bevor du in Immobilien investierst, solltest du die verschiedenen Möglichkeiten kennen und verstehen, welche Kosten auf dich zukommen. Neben dem reinen Kaufpreis fallen erhebliche Nebenkosten an – von der Grunderwerbssteuer über Maklergebühren bis zu Notarkosten. Auch die Finanzierung spielt eine zentrale Rolle, denn die meisten Banken verlangen einen gewissen Eigenkapitalanteil. Gleichzeitig bieten Immobilien als Sachwertinvestment Schutz vor Inflation und können langfristig an Wert gewinnen.

    Direkt oder indirekt in Immobilien investieren

    Immobilien zählen zu den Sachwertinvestments, ähnlich wie Aktien oder physische Edelmetalle wie Goldbarren. Der Begriff Betongold verdeutlicht die Wertbeständigkeit dieser Anlageklasse. Du hast grundsätzlich zwei Wege, um in Immobilien zu investieren: direkt oder indirekt.

    Bei der direkten Investition kaufst du eine konkrete Immobilie. Das kann ein Haus sein, in dem du selbst wohnen möchtest, oder eine Eigentumswohnung, die du vermietest. Du bist Eigentümer:in und trägst alle Rechte und Pflichten, die damit verbunden sind. Diese Form des Investierens erfordert in der Regel einen höheren Kapitaleinsatz und mehr persönliches Engagement.

    Die indirekte Variante funktioniert über Finanzprodukte wie Immobilienfonds, Immobilienaktien oder REITs – Real Estate Investment Trusts. REITs sind eine besondere Form von Immobilien-Aktiengesellschaften, die es dir ermöglichen, mit kleineren Beträgen am Immobilienmarkt teilzuhaben. Dieser Artikel konzentriert sich auf das direkte Investieren in Wohneigentum und beleuchtet die damit verbundenen Vor- und Nachteile ausführlich.

    💡 Tipp

    Prüfe vor dem Immobilienkauf immer beide Optionen: REITs und Immobilienfonds bieten oft eine bessere Risikostreuung und erfordern weniger Startkapital. Mit nur wenigen tausend Euro kannst du bereits diversifiziert in verschiedene Immobilienprojekte investieren, anstatt alles auf eine einzelne Immobilie zu setzen.

    Direktes Investieren in Wohnimmobilien

    Der Traum vom Eigenheim bleibt für viele Menschen bestehen, obwohl die Immobilienpreise in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Doch der Kauf eines Eigenheims unterscheidet sich grundlegend von einer klassischen Kapitalanlage. Im Vordergrund stehen meist Wohnkomfort, gestalterische Freiheiten und der Wunsch nach Eigentum – nicht primär die Rendite.

    Bei einer klassischen Kapitalanlage würdest du alle Kosten genau analysieren und am Ende der Kreditlaufzeit berechnen, wie viel Rendite erwirtschaftet wurde. Bei Immobilien gestaltet sich diese Rechnung komplexer. Die Kaufnebenkosten fallen deutlich höher aus als bei anderen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Investmentfonds oder ETFs. Zum eigentlichen Kaufpreis addieren sich mehrere Kostenpunkte, die du von Anfang an einkalkulieren musst.

    📌 Gut zu wissen

    Die Kaufnebenkosten können je nach Bundesland zwischen 10 und 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen. Bei einer 400.000 Euro Immobilie bedeutet das zusätzliche Kosten von 40.000 bis 60.000 Euro, die du entweder aus Eigenkapital stemmen oder mitfinanzieren musst. Diese Kosten erhältst du beim Verkauf nicht zurück.

    Die Grunderwerbssteuer variiert je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises. Hinzu kommen Kosten für Immobilienmakler:innen sowie für den Grundbucheintrag durch Notar:innen. Die Notarkosten belaufen sich auf etwa 1,5 bis 2 Prozent der Kaufsumme. Wer sein Eigenheim über einen Bausparvertrag finanziert, muss zusätzliche Abschlusskosten für dieses Finanzprodukt berücksichtigen.

    Auch die Kosten für einen Immobilienkredit und die laufenden Instandhaltungskosten gehören zur Gesamtrechnung. Die meisten Banken genehmigen die Finanzierung eines Eigenheims zur Selbstnutzung nur, wenn du einen gewissen Eigenkapitalanteil vorweisen kannst. Dieses Eigenkapital kann aus Barvermögen, Spareinlagen oder Depots stammen – Geld, das du alternativ in andere Geldanlagen investieren könntest.

    Vor- und Nachteile des selbstgenutzten Eigenheims

    Eine eigene Immobilie zu besitzen bringt mehrere überzeugende Vorteile mit sich. Du genießt die Sicherheit deines Zuhauses, denn im Gegensatz zu einem Mietvertrag kann dir niemand kündigen. Statt Monat für Monat Miete an Vermieter:innen zu zahlen, tilgst du einen Kredit, der nach einigen Jahren vollständig abbezahlt ist. Die Immobilie stellt eine Sachwertanlage mit dem direkten Nutzfaktor Wohnen dar und kann in Zukunft möglicherweise an Wert gewinnen. Ein weiterer finanzieller Vorteil: Verkaufst du die Immobilie nach Ablauf der zehnjährigen Frist, fällt keine Spekulationssteuer an.

    Doch neben diesen Vorteilen solltest du auch die Nachteile realistisch einschätzen. Die Wertsteigerung einer Immobilie lässt sich nicht verlässlich kalkulieren – Immobilienmärkte unterliegen Schwankungen, die von vielen Faktoren abhängen. Der Wert deiner Immobilie steht dir nicht sofort zur Verfügung, sondern erst dann, wenn du sie verkaufst. Die hohen Nebenkosten im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen schmälern die Rendite erheblich.

    💡 Tipp

    Kalkuliere vor dem Kauf eine Liquiditätsreserve von mindestens 6 Monatsgehältern zusätzlich zum Eigenkapital ein. Unvorhergesehene Reparaturen, Modernisierungen oder temporäre Einkommensausfälle können sonst schnell zur finanziellen Belastung werden. Diese Reserve sollte auf einem Tagesgeldkonto verfügbar bleiben.

    Ein oft unterschätzter Aspekt ist die eingeschränkte Flexibilität bei Änderungen der Lebensumstände. Scheidung, Arbeitslosigkeit oder ein beruflich bedingter Umzug können dich vor große Herausforderungen stellen, wenn du an eine Immobilie gebunden bist. Zudem erfordert der Immobilienkauf in der Regel eine hohe Kreditaufnahme, die dich über viele Jahre finanziell bindet und deine Handlungsspielräume einschränkt.

    Vermietete Eigentumswohnung

    Wer eine Eigentumswohnung kauft, um diese zu vermieten, oder eine bereits vermietete Wohnung erwirbt, verfolgt eine andere Strategie als beim selbstgenutzten Eigenheim. Die Renditerechnung sieht hier grundlegend anders aus, auch wenn viele der bereits genannten Nachteile ebenfalls eine Rolle spielen.

    Eigentumswohnungen verfügen in der Regel über weniger Wohnfläche als Eigentumshäuser, was sich positiv auf die Nebenkosten auswirkt. Ein entscheidender Vorteil liegt im steuerlichen Bereich: Die Mieteinnahmen gibst du als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung in deiner Steuererklärung an. Gleichzeitig kannst du die Finanzierungskosten – also die Zinsaufwendungen – sowie nicht umlagefähige Nebenkosten steuerlich als Ausgaben geltend machen. Dieser steuerliche Effekt verbessert die Gesamtrendite deiner Investition erheblich.

    📌 Gut zu wissen

    Das Angebot an Wohnraum in Deutschland ist knapp. Lediglich 3,8 Prozent des gesamten Staatsgebietes stehen als Wohnbaufläche zur Verfügung. Mehr als 80 Prozent entfallen auf Natur und Landwirtschaft. Trotz Knappheit steigt die durchschnittliche Quadratmeterzahl pro Kopf. Waren es durchschnittlich 34,9 Quadratmeter im Jahre 1991, ist die Zahl auf 47,7 Quadratmeter im Jahr 2021 gestiegen.

    Vor- und Nachteile der vermieteten Eigentumswohnung

    Die Vorteile einer vermieteten Eigentumswohnung liegen klar in den regelmäßigen Mieteinnahmen. Diese schaffen einen kontinuierlichen Cashflow, der zur Tilgung des Kredits beiträgt oder zusätzliches Einkommen generiert. Die vermietete Eigentumswohnung stellt eine Wertanlage mit Nutzwert dar, denn theoretisch kannst du auch selbst einziehen, sollten sich deine Lebensumstände ändern. Die steuerlichen Vorteile durch absetzbare Kosten verbessern die Rendite zusätzlich.

    Allerdings bringt die Vermietung auch spezifische Herausforderungen mit sich. Du trägst die Verantwortung für die Verwaltung der Immobilie, musst dich um Reparaturen kümmern und stehst in direktem Kontakt mit den Mieter:innen. Mietausfälle oder Leerstand können deine Kalkulation durcheinanderbringen. Die Suche nach zuverlässigen Mieter:innen erfordert Zeit und Sorgfalt. Zudem bleiben die bereits beim Eigenheim genannten Nachteile bestehen: hohe Nebenkosten, eingeschränkte Liquidität und die Abhängigkeit von der Marktentwicklung.

    💡 Tipp

    Plane bei vermieteten Immobilien immer eine Mietausfallreserve von 2-3 Monatsmieten ein. Kalkuliere außerdem jährlich 1-2% des Immobilienwerts für Instandhaltung und unvorhergesehene Reparaturen. Eine professionelle Hausverwaltung kostet zwar 20-30 Euro pro Wohnung monatlich, spart dir aber viel Zeit und Stress im Umgang mit Mietern.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Immobilieninvestment?

    Beim direkten Investment kaufst du eine konkrete Immobilie wie ein Haus oder eine Wohnung und wirst selbst Eigentümer. Indirektes Investieren erfolgt über Finanzprodukte wie Immobilienfonds, Immobilienaktien oder REITs, ohne dass du selbst Eigentümer einer physischen Immobilie wirst. Der direkte Weg erfordert mehr Kapital und Engagement, bietet aber volle Kontrolle.

    Q

    Welche Nebenkosten fallen beim Immobilienkauf an und wie hoch sind sie?

    Die Kaufnebenkosten setzen sich aus Grunderwerbssteuer (3,5-6,5% je nach Bundesland), Maklergebühren (meist 3-7%), Notarkosten und Grundbucheintrag (ca. 1,5-2%) zusammen. Insgesamt solltest du mit 10-15% des Kaufpreises an zusätzlichen Kosten rechnen. Bei einer 400.000 Euro Immobilie sind das 40.000-60.000 Euro extra.

    Q

    Wie viel Eigenkapital benötige ich für einen Immobilienkauf?

    Die meisten Banken erwarten mindestens 20-30% Eigenkapital vom Kaufpreis plus die kompletten Kaufnebenkosten. Bei einer 400.000 Euro Immobilie solltest du also mindestens 120.000-160.000 Euro Eigenkapital mitbringen. Je mehr Eigenkapital, desto bessere Kreditkonditionen erhältst du von der Bank.

    Q

    Welche steuerlichen Vorteile bietet eine vermietete Eigentumswohnung?

    Bei vermieteten Immobilien kannst du Zinsaufwendungen, Abschreibungen, Verwaltungskosten und nicht umlagefähige Nebenkosten steuerlich absetzen. Die Mieteinnahmen werden als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung versteuert. Zusätzlich kannst du jährlich 2% des Gebäudewerts (ohne Grundstück) über 50 Jahre abschreiben.

    Q

    Lohnt sich ein Eigenheim als Kapitalanlage?

    Ein selbstgenutztes Eigenheim ist primär eine Lifestyle-Entscheidung, keine klassische Kapitalanlage. Die Rendite ist oft niedriger als bei anderen Anlageformen, da hohe Nebenkosten anfallen und das Kapital gebunden ist. Der Hauptvorteil liegt in der Mietersparnis und der Sicherheit des eigenen Zuhauses, nicht in der Rendite.

    Q

    Welche Risiken gibt es beim Vermieten einer Eigentumswohnung?

    Hauptrisiken sind Mietausfälle, Leerstand, schwierige Mieter, unerwartete Reparaturkosten und Wertverlust der Immobilie. Auch rechtliche Änderungen wie Mietpreisbremse oder energetische Sanierungspflichten können die Rendite schmälern. Eine sorgfältige Mieterauswahl und finanzielle Rücklagen sind essentiell.

  • Steuer-ID finden & verstehen: Der komplette Leitfaden

    Steuer-ID finden & verstehen: Der komplette Leitfaden

    Themen in diesem Artikel:

    • Was ist die Steuer-ID: Eine lebenslang gültige, elfstellige Identifikationsnummer für alle in Deutschland gemeldeten Bürger:innen zur eindeutigen Zuordnung bei Steuerfragen.
    • Zusammensetzung und Aufbau: Die Nummer besteht aus elf zufällig generierten Ziffern mit einer Prüfziffer am Ende zur Fehlervermeidung bei der Eingabe.
    • Sinn und Vorteile: Vereinfachung der Steuerverwaltung durch eindeutige Identifikation, Vermeidung von Namensverwechslungen und Unterstützung der digitalen Kommunikation mit dem Finanzamt.
    • Wo du deine Steuer-ID findest: Auf der Lohnsteuerbescheinigung, dem Einkommensteuerbescheid oder im Mitteilungsschreiben vom Bundeszentralamt für Steuern aus dem Jahr 2008.
    • Unterschied zur Steuernummer: Die Steuernummer ist 13-stellig, wird vom Finanzamt nach der ersten Steuererklärung zugeteilt und kann sich im Leben ändern.

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Die steuerliche Identifikationsnummer macht deine Kommunikation mit dem Finanzamt einfacher und eindeutiger. Diese elfstellige Nummer identifiziert dich lebenslang bei allen steuerlichen Angelegenheiten und sorgt dafür, dass deine Daten immer korrekt zugeordnet werden. Aber was genau verbirgt sich hinter der Steuer-ID, wie unterscheidet sie sich von der Steuernummer, und wo findest du sie, wenn du sie brauchst?

    Was ist die Steuer-ID?

    Die Steuer-ID steht für die steuerliche Identifikationsnummer und dient dazu, Menschen eindeutig zu identifizieren, sobald es um Steuern geht. Diese eindeutige Zuordnung ist besonders wichtig bei der Steuererklärung, damit deine relevanten Daten immer der richtigen Person zugeordnet werden. Alle Bürger:innen, die in Deutschland gemeldet sind, haben eine eigene Steuer-ID, die lebenslang gilt und sich niemals verändert.

    Die offizielle Bezeichnung lautet „steuerliche Identifikationsnummer“, wird aber auch als IdNr, Steuer-IdNr oder TIN abgekürzt. Letzteres ist die englische Abkürzung und steht für Tax Identification Number. Diese Nummer begleitet dich von der Geburt bis zum Lebensende und bleibt dabei immer gleich, unabhängig von Umzügen, Namenswechseln oder anderen Lebensveränderungen.

    📌 Gut zu wissen

    Die Steuer-ID wird automatisch bei der Geburt oder Anmeldung in Deutschland vergeben. Du musst sie niemals selbst beantragen. Sie bleibt dein ganzes Leben lang unverändert – auch bei Umzug, Heirat oder Namensänderung.

    Zusammensetzung der Steuer-ID

    Die Steuer-ID besteht aus elf Ziffern, die nach einem bestimmten System zusammengesetzt sind. In den einzelnen Ziffern sind keine bestimmten Informationen über dich verarbeitet, sondern sie werden zufällig generiert. Bei der Zusammensetzung gelten allerdings bestimmte Regeln, zum Beispiel darf die Steuer-ID nicht mit der Ziffer 0 beginnen.

    Die letzte, elfte Ziffer ist die Prüfziffer, die nach einem bestimmten Algorithmus aus den ersten zehn Ziffern berechnet wird. So können Fehler bei der Eingabe verhindert werden: Wenn eine Ziffer falsch ist, ergibt der Algorithmus nicht mehr die richtige Prüfziffer und es kommt zu einer Fehlermeldung. Nach diesem Prinzip funktionieren zum Beispiel auch IBANs, wo sich die zweistellige Prüfziffer hinter den Buchstaben für die Länderkennzeichnung befindet. Dieses System schützt dich vor Tippfehlern und sorgt für eine fehlerfreie Datenübermittlung.

    Weniger Bürokratie: Der Sinn der Steuer-ID

    Auch wenn „steuerliche Identifikationsnummer“ eher sperrig klingt, stand hinter der Einführung der Steuer-ID die Idee, die Steuerverwaltung zu vereinfachen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wenn Bürger:innen sofort und lebenslang mit einer Nummer identifiziert werden können, vereinfacht das die Kommunikation mit dem Finanzamt erheblich. Zudem verhindert sie, dass Daten durch Fehler verloren gehen, zum Beispiel durch Namensverwechslungen oder Buchstabendreher.

    Gerade im Zuge der Digitalisierung ist es besonders wichtig, Daten eindeutig der richtigen Person zuordnen zu können. Ein praktisches Beispiel dafür sind elektronische, vorausgefüllte Steuererklärungsformulare, die dir bei der Steuererklärung viel Zeit sparen können. Die lebenslange Gültigkeit und vor allem die Unveränderlichkeit der Steuer-ID ist auch ein entscheidender Fortschritt gegenüber der Steuernummer, die sich im Laufe des Lebens ändern kann.

    💡 Tipp

    Notiere dir deine Steuer-ID an einem sicheren Ort oder speichere sie in einem Passwort-Manager. So hast du sie immer griffbereit, wenn du sie für Behördengänge, neue Jobs oder die Steuererklärung brauchst. Die Nummer steht auf jedem Einkommensteuerbescheid und jeder Lohnsteuerbescheinigung.

    Wo steht die Steuer-ID?

    Die Steuer-ID gibt es seit dem 1. Juli 2007 und wird seitdem schon nach der Geburt vergeben. Neugeborene Kinder in Deutschland erhalten sie automatisch zugesandt. Alle Menschen, die in Deutschland gemeldet sind, aber vor der Einführung geboren wurden, haben ihre Steuer-ID im Jahr 2008 vom Bundeszentralamt für Steuern erhalten.

    Wenn du diesen Brief von 2008 nicht mehr findest, ist das kein Grund zur Sorge. Die Steuer-ID steht auch auf der Lohnsteuerbescheinigung, die du von deinem Arbeitgeber erhältst, oder auf deinem letzten Einkommensteuerbescheid. Diese Dokumente hast du in der Regel griffbereit und kannst deine Nummer dort schnell nachschlagen.

    Wenn du deine Steuer-ID partout nicht mehr finden kannst, ist auch das kein Problem. Wende dich einfach an das Bundeszentralamt für Steuern, entweder per Brief oder über das Eingabeformular online. Wichtig zu wissen: Deine Steuer-ID kann dir wegen des Datenschutzes nur per Post zugesandt werden, was bis zu vier Wochen dauern kann. Immerhin brauchst du deine Steuer-ID nicht zwangsläufig, um deine Steuererklärung abzugeben – das Finanzamt ermittelt die Nummer im Zweifelsfall selbst.

    📌 Gut zu wissen

    Aus Datenschutzgründen kann dir das Bundeszentralamt für Steuern deine Steuer-ID nur per Post zusenden – niemals per E-Mail oder Telefon. Plane daher bei Verlust eine Wartezeit von bis zu vier Wochen ein.

    Eine Steuer-ID beantragen

    Wenn du noch keine Steuer-ID hast, weil du bisher noch nicht in Deutschland gemeldet warst, musst du sie auch nicht beantragen. Du erhältst sie nach deiner Anmeldung bei der zuständigen Meldebehörde automatisch. Das System funktioniert also vollständig automatisiert und ohne zusätzlichen Aufwand für dich.

    Falls du noch nie in Deutschland gemeldet warst und auch nicht nach Deutschland ziehen wirst, aber für ein deutsches Unternehmen arbeitest, brauchst du nur eine Steuer-ID, wenn du in Deutschland steuerpflichtig bist. Um das im Einzelfall zu klären, wendest du dich am besten direkt an deine:n Arbeitgeber:in, der dir bei steuerlichen Fragen weiterhelfen kann.

    Nicht verwechseln: Die Steuernummer

    Im Zusammenhang mit Steuern spielt auch eine andere Nummer eine große Rolle: die Steuernummer. Diese Nummer bekommst du nicht automatisch per Post zugesendet, aber du musst sie auch nicht beantragen. Du kannst deine erste Steuererklärung ohne Steuernummer abgeben und das Finanzamt teilt dir danach eine zu. Selbstständige erhalten ihre Steuernummer, wenn sie ihre Selbstständigkeit beim Finanzamt anmelden.

    Die Steuernummer ist 13-stellig und unterscheidet sich damit schon rein äußerlich von der elfstelligen Steuer-ID. Im Gegensatz zur Steuer-ID ist die Steuernummer nicht zufallsgeneriert, sondern enthält Informationen über das zuständige Finanzamt und kann sich im Laufe des Lebens ändern, zum Beispiel bei einem Umzug in einen anderen Finanzamtsbezirk. Die Steuer-ID hingegen bleibt immer gleich und begleitet dich dein ganzes Leben lang.

    💡 Tipp

    Verwechsle nicht Steuer-ID und Steuernummer! Merkhilfe: Die Steuer-ID hat 11 Ziffern (wie ein Fußballteam), die Steuernummer hat 13 Ziffern. Für die meisten Anträge und Formulare brauchst du die Steuer-ID – sie ist die wichtigere der beiden Nummern.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Was ist der Unterschied zwischen Steuer-ID und Steuernummer?

    Die Steuer-ID ist elfstellig, lebenslang gültig und unveränderlich. Die Steuernummer ist 13-stellig, wird vom Finanzamt nach der ersten Steuererklärung zugeteilt und kann sich bei Umzügen oder anderen Lebensveränderungen ändern. Die Steuer-ID ist die modernere und wichtigere Nummer.

    Q

    Wo finde ich meine Steuer-ID schnell?

    Deine Steuer-ID findest du auf der Lohnsteuerbescheinigung deines Arbeitgebers, auf jedem Einkommensteuerbescheid oder im ursprünglichen Mitteilungsschreiben vom Bundeszentralamt für Steuern aus dem Jahr 2008. Auch in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung in ELSTER ist sie zu finden.

    Q

    Was mache ich, wenn ich meine Steuer-ID verloren habe?

    Wende dich an das Bundeszentralamt für Steuern per Brief oder nutze das Online-Formular auf deren Website. Die Nummer wird dir aus Datenschutzgründen ausschließlich per Post zugesandt, was bis zu vier Wochen dauern kann. Für die Steuererklärung ist die Nummer aber nicht zwingend erforderlich – das Finanzamt kann sie selbst ermitteln.

    Q

    Muss ich die Steuer-ID selbst beantragen?

    Nein, die Steuer-ID wird vollkommen automatisch vergeben. Neugeborene erhalten sie kurz nach der Geburt, bei Zuzug nach Deutschland wird sie automatisch nach der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt vom Bundeszentralamt für Steuern zugesandt. Du musst nichts unternehmen.

    Q

    Ändert sich die Steuer-ID bei einem Umzug oder einer Heirat?

    Nein, die Steuer-ID bleibt dein ganzes Leben lang unverändert. Sie ändert sich weder bei Umzügen, noch bei Heirat, Scheidung oder Namensänderungen. Das ist der große Vorteil gegenüber der Steuernummer, die sich bei einem Umzug in einen anderen Finanzamtsbezirk ändern kann.

    Q

    Wofür brauche ich die Steuer-ID im Alltag?

    Die Steuer-ID brauchst du für die Steuererklärung, bei der Aufnahme einer neuen Arbeitsstelle, für Kindergeldanträge, bei der Kontoeröffnung (wegen der Abgeltungssteuer), für Riester-Verträge und generell für die Kommunikation mit dem Finanzamt. Auch für Freistellungsaufträge bei Banken ist sie erforderlich.

  • Stop-Loss-Order: Automatischer Verlustschutz für dein Depot

    Stop-Loss-Order: Automatischer Verlustschutz für dein Depot

    Themen in diesem Artikel:

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Eine Stop-Loss-Order ist dein automatischer Sicherheitsmechanismus an der Börse. Du legst eine Kursuntergrenze fest, und sobald deine Aktie diesen Wert erreicht oder unterschreitet, wird automatisch ein Verkaufsauftrag zum nächsten verfügbaren Preis ausgelöst. Damit kannst du Verluste begrenzen und bereits erzielte Gewinne absichern, ohne dein Depot ständig überwachen zu müssen.

    Der Mechanismus funktioniert simpel: Du bestimmst eine Stop-Loss-Marke unterhalb des aktuellen Aktienkurses. Fällt der Kurs auf oder unter diese Schwelle, verwandelt sich deine Order automatisch in eine Market-Order – eine Anweisung an deinen Broker, die Aktie sofort zum bestverfügbaren Preis zu verkaufen. So schützt du dich vor größeren Kursabstürzen und kannst ruhiger schlafen, auch wenn die Märkte turbulent werden.

    Was ist eine Stop-Loss-Order?

    Bei einer Stop-Loss-Order definierst du zunächst deine persönliche Schmerzgrenze: die Stop-Loss-Marke. Diese Kursuntergrenze markiert den Punkt, an dem du bereit bist, deine Position aufzugeben, um größere Verluste zu vermeiden. Der entscheidende Vorteil liegt in der Automatisierung – du musst nicht permanent die Kurse beobachten oder emotional unter Druck Entscheidungen treffen.

    Sobald der Aktienkurs deine festgelegte Marke erreicht, springt der Mechanismus an. Deine Stop-Loss-Order löst eine Market-Order aus, die deinem Broker den Auftrag erteilt, die Aktie unverzüglich zum besten aktuell verfügbaren Preis zu verkaufen. Dieser Prozess läuft vollautomatisch ab und gibt dir die Kontrolle über dein maximales Verlustrisiko. Gleichzeitig kannst du damit auch Gewinne sichern, indem du die Stop-Loss-Marke nach oben anpasst, wenn der Kurs gestiegen ist.

    💡 Tipp

    Nutze Stop-Loss-Orders besonders bei volatilen Wachstumsaktien oder vor längeren Urlauben. So musst du nicht ständig dein Smartphone checken und bist trotzdem gegen plötzliche Kurseinbrüche geschützt. Setze die Order direkt nach dem Kauf und passe sie bei Kursgewinnen regelmäßig nach oben an.

    Platzierung der Order

    Die richtige Positionierung deiner Stop-Loss-Marke erfordert ein ausgewogenes Fingerspitzengefühl. Zwei zentrale Überlegungen solltest du dabei berücksichtigen: Einerseits darf die Marke nicht zu nah am aktuellen Kurs liegen, sonst verkaufst du möglicherweise bei einer harmlosen Kursschwankung, obwohl sich der Kurs schnell wieder erholen könnte. Andererseits sollte die Kursuntergrenze auch nicht zu weit entfernt sein, damit die Verluste beim Erreichen dieser Grenze für dich noch verkraftbar bleiben.

    Für die praktische Umsetzung haben sich bewährte Richtwerte etabliert. Bei Standardwerten oder Aktien großer Unternehmen – den sogenannten Large Caps – setzen erfahrene Trader:innen häufig eine Stoppmarke zwischen 10 und 15 Prozent unter dem aktuellen Aktienkurs. Diese Aktien zeigen in der Regel stabilere Kursbewegungen und benötigen daher weniger Spielraum.

    Für volatilere Wertpapiere, die stärkeren Kursschwankungen unterliegen, empfiehlt sich ein großzügigeres Limit von 20 bis 25 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Dieser erweiterte Puffer berücksichtigt die natürliche Unruhe dieser Papiere und verhindert vorschnelle Verkäufe bei normalen Marktbewegungen.

    📌 Gut zu wissen

    Die historische Volatilität deiner Aktie findest du in den meisten Broker-Apps unter den Kennzahlen. Je höher die Volatilität (über 30%), desto weiter sollte deine Stop-Loss-Marke vom aktuellen Kurs entfernt sein. Bei DAX-Werten reichen meist 10-15%, bei Tech-Aktien sollten es mindestens 20% sein.

    Eine besonders clevere Strategie bietet sich an, wenn deine Aktie seit dem Kauf im Wert gestiegen ist. In diesem Fall kannst du dein Verlustrisiko komplett eliminieren, indem du die Stop-Loss-Order beim ursprünglichen Einstandskurs platzierst. So sicherst du dir mindestens einen Nullsummen-Ausstieg und schützt bereits erzielte Gewinne.

    Wann und wo eine Stop-Loss-Order platziert werden kann

    Du kannst deine Stop-Loss-Order grundsätzlich an allen Börsen platzieren. Dort wird der Verkauf deiner Aktie zur festgelegten Stop-Loss-Marke mittels Market-Order an den jeweiligen Handelsplatz gesendet und zum nächsten handelbaren Aktienkurs ausgeführt. Diese breite Verfügbarkeit macht das Instrument besonders praktikabel für verschiedene Anlagestrategien.

    Eine wichtige Einschränkung betrifft allerdings Aktien sehr kleiner Unternehmen, die nicht im DAX oder einem Index der DAX-Familie vertreten sind und nur in geringem Umfang gehandelt werden. Bei diesen sogenannten illiquiden Papieren kann es passieren, dass deine Stop-Loss-Order nicht sofort ausgeführt wird, weil sich keine Käufer:innen finden. Sinkt der Aktienkurs während dieser Wartezeit weiter, entstehen zusätzliche Verluste, die über deine ursprünglich kalkulierte Grenze hinausgehen.

    📌 Gut zu wissen

    Bei Nebenwerten und Small Caps kann es zu sogenannten „Gap-Downs“ kommen – der Kurs springt über Nacht unter deine Stop-Loss-Marke. In diesem Fall wird deine Order erst zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt, der deutlich unter deiner Marke liegen kann. Prüfe daher immer das durchschnittliche Handelsvolumen deiner Aktie.

    Dieses Ausführungsrisiko ist bei liquiden, also häufig gehandelten Aktien meist bekannter Unternehmen deutlich geringer. Hier findest du in der Regel schnell Abnehmer:innen, und deine Order wird zeitnah zum gewünschten Preis ausgeführt. Die Liquidität des Wertpapiers solltest du daher bei der Entscheidung für eine Stop-Loss-Order unbedingt berücksichtigen.

    Bei der zeitlichen Gültigkeit deiner Order hast du zwei Hauptoptionen. Eine tagesgültige Stop-Loss-Order wird entweder am selben Handelstag ausgeführt oder verfällt am Ende des Börsentages, wenn die Stoppmarke nicht erreicht wurde. Diese Variante eignet sich für kurzfristige Absicherungen oder wenn du den Markt aktiv beobachtest.

    Alternativ kannst du eine Stop-Loss-Order mit ultimo platzieren, die bis zum letzten Tag eines von dir gewählten Monats gültig bleibt. Welcher Monat das ist, richtet sich danach, wie lange du die Order aktiv haben möchtest. Bei sehr langen Orderzeiträumen solltest du das Marktgeschehen im Auge behalten und die Stop-Loss-Marke regelmäßig an veränderte Bedingungen anpassen, um optimal geschützt zu bleiben.

    Kurz erklärt: Die Trailing-Stop-Order

    Die Trailing-Stop-Order bietet dir eine dynamische Alternative zur klassischen Stop-Loss-Order. Sie passt sich automatisch an Aktienkursentwicklungen an – sowohl nach oben als auch nach unten. Dafür definierst du im Vorfeld eine fixe oder prozentuale Ober- beziehungsweise Untergrenze in Euro oder Prozent.

    Der Verkauf deiner Aktien wird beispielsweise ausgelöst, wenn der Kurs um 15 Euro oder um 10 Prozent steigt oder fällt. Der besondere Vorteil liegt in der Flexibilität: Bei einem plötzlichen Aufwärtstrend der Aktie steigt die gesetzte Stoppmarke automatisch mit. So kannst du von positiven Kursentwicklungen profitieren, während dein Schutz nach unten erhalten bleibt. Die Trailing-Stop-Order kombiniert damit Gewinnmaximierung mit Verlustbegrenzung in einem intelligenten Mechanismus.

    💡 Tipp

    Setze Trailing-Stops besonders bei Trendfolge-Strategien ein. Ein Trailing-Stop von 15-20% lässt deinen Gewinnen Raum zum Wachsen, während du automatisch ausgestoppt wirst, wenn der Trend dreht. Ideal für Aktien in stabilen Aufwärtstrends ohne ständige Überwachung.

    Good to know: Stop-Loss vs. Stop-Limit

    Eine Stop-Limit-Order funktioniert ähnlich wie eine Stop-Loss-Order, unterscheidet sich jedoch in einem entscheidenden Detail: Sie gibt dir die Kontrolle über einen Mindestverkaufspreis. Während bei der Stop-Loss-Order nach Erreichen der Kursuntergrenze eine Market-Order ausgelöst wird, die zum nächsten verfügbaren Preis verkauft, aktiviert die Stop-Limit-Order stattdessen eine sogenannte Limit-Order.

    Diese Limit-Order definiert eine Preisgrenze, die beim Verkauf nicht unterschritten werden darf. Du bestimmst also nicht nur, wann verkauft wird, sondern auch zu welchem Mindestpreis. Der Vorteil liegt in der Preissicherheit – du weißt genau, dass du nicht unter einem bestimmten Wert verkaufst. Der Nachteil zeigt sich in der Ausführungsgeschwindigkeit: Die Durchführung des Verkaufs kann bei einer Stop-Limit-Order länger dauern, weil sich erst Käufer:innen finden müssen, die bereit sind, deinen Mindestpreis zu zahlen. Im Extremfall wird deine Order gar nicht ausgeführt, wenn der Kurs zu schnell fällt und niemand zu deinem Limitpreis kaufen möchte.

    Vorteile und Nachteile

    Mit einer Stop-Loss-Order verschaffst du dir einen wertvollen Automatismus für dein Portfolio. Du musst dein Depot nicht täglich überprüfen und kannst dennoch deine Verluste durch Aktienkursabstürze verringern. Die festgelegte Untergrenze sorgt dafür, dass deine Aktie automatisch verkauft wird, sobald der Kurs diese Marke erreicht – vorausgesetzt, es finden sich Käufer:innen, was bei in bekannten Indizes vertretenen Aktien normalerweise der Fall ist.

    Ein weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität: Du kannst die gesetzte Kursuntergrenze jederzeit an veränderte Marktbedingungen oder deine persönliche Risikobereitschaft anpassen. Steigt der Kurs deiner Aktie, ziehst du einfach die Stop-Loss-Marke nach oben und sicherst so bereits erzielte Gewinne ab. Diese Anpassungsfähigkeit macht die Stop-Loss-Order zu einem dynamischen Werkzeug für verschiedene Marktphasen.

    Die Kehrseite der Medaille liegt in der Schwierigkeit, normale Aktienkursschwankungen angemessen zu berücksichtigen. Eine zu nah am aktuellen Kurs gesetzte Untergrenze kann dazu führen, dass die Verkaufsorder bei harmlosen Tagesschwankungen ausgelöst wird. Du verkaufst dann möglicherweise zu früh, obwohl sich der Kurs kurz darauf wieder erholt hätte. Umgekehrt drohen bei einem zu weit unten gewählten Stoppkurs entsprechend hohe Verluste, bevor der Schutzmechanismus greift. Die richtige Balance zu finden, erfordert Erfahrung und eine realistische Einschätzung der Volatilität deiner Aktien.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Wie funktioniert eine Stop-Loss-Order genau?

    Du legst eine Kursuntergrenze fest. Erreicht oder unterschreitet die Aktie diesen Wert, wird automatisch ein Verkaufsauftrag zum nächsten verfügbaren Preis ausgelöst, um deine Verluste zu begrenzen.

    Q

    Wo sollte ich meine Stop-Loss-Marke bei Standardwerten setzen?

    Bei Large Caps empfehlen erfahrene Trader:innen eine Stoppmarke von 10 bis 15 Prozent unter dem aktuellen Aktienkurs, um normale Schwankungen zu berücksichtigen und dennoch geschützt zu sein.

    Q

    Was ist der Unterschied zwischen Stop-Loss und Stop-Limit?

    Stop-Loss verkauft sofort zum nächsten Preis. Stop-Limit definiert einen Mindestverkaufspreis, der nicht unterschritten werden darf, was die Ausführung verzögern kann, aber Preissicherheit bietet.

    Q

    Kann ich eine Stop-Loss-Order nachträglich anpassen?

    Ja, du kannst die Stop-Loss-Marke jederzeit ändern oder die Order komplett löschen. Bei Kursgewinnen solltest du die Marke nach oben anpassen, um bereits erzielte Gewinne abzusichern.

    Q

    Kostet eine Stop-Loss-Order zusätzliche Gebühren?

    Die meisten Broker verlangen keine Extra-Gebühren für das Setzen einer Stop-Loss-Order. Kosten fallen erst beim tatsächlichen Verkauf als normale Ordergebühren an, wenn die Stop-Loss-Marke erreicht wird.

    Q

    Funktionieren Stop-Loss-Orders auch außerhalb der Handelszeiten?

    Nein, Stop-Loss-Orders werden nur während der Handelszeiten der jeweiligen Börse überwacht und ausgeführt. Bei Kurslücken (Gaps) zwischen Handelsschluss und -eröffnung kann der Ausführungskurs deutlich von deiner Stop-Loss-Marke abweichen.

  • Bid-Ask-Spread verstehen: Kosten im Wertpapierhandel

    Bid-Ask-Spread verstehen: Kosten im Wertpapierhandel

    Themen in diesem Artikel:

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Was ist der Bid-Ask-Spread?

    Der Bid-Ask-Spread bezeichnet die Spanne zwischen dem höchsten Preis, den Käufer:innen bereit sind zu zahlen, und dem niedrigsten Preis, den Verkäufer:innen bereit sind zu akzeptieren. Diese Differenz spielt bei Wertpapiertransaktionen an der Börse eine zentrale Rolle. Der Begriff setzt sich aus drei englischen Wörtern zusammen: „bid“ bedeutet „bieten“, „ask“ lässt sich mit „nachfragen“ übersetzen und „spread“ ist die „Spanne“.

    Im Deutschen wird der Bid-Ask-Spread auch als Geld-Brief-Spanne bezeichnet, also als Differenz zwischen dem Geld- und Briefkurs. Dabei gilt eine wichtige Regel: Der Verkaufspreis, auch Geld-Kurs oder Bid-Preis genannt, liegt in der Regel höher. Das ist logisch, denn alle Verkäufer:innen haben das Ziel, so teuer wie möglich zu verkaufen, wohingegen Käufer:innen so günstig wie möglich kaufen möchten.

    📌 Gut zu wissen

    Der Verkaufspreis liegt immer über dem Kaufpreis – diese Differenz ist für Market Maker und Broker eine wichtige Einnahmequelle. Als Anleger:in zahlst du diese Differenz automatisch bei jeder Transaktion mit.

    Ein praktisches Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Möchte jemand zu 55 verkaufen, liegt das Kaufangebot aber nur bei 45, dann beträgt der Spread zehn. Sind beide Seiten mit dem angebotenen beziehungsweise dem nachgefragten Preis einverstanden, kommt es zu einer erfolgreichen Transaktion. Dabei kann es um den Handel von Wertpapieren wie Aktien gehen, aber ebenso um ausländische Währungen oder Rohstoffe wie beispielsweise Edelmetalle. Ist der Spread zu hoch, kommt keine Transaktion zustande.

    Die Höhe des Bid-Ask-Spreads

    Die Höhe eines Spreads ist nicht festgelegt, sondern hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann über einen Handelstag hinweg variieren. Insbesondere das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sowie die Liquidität von Wertpapieren bestimmen maßgeblich die Höhe des Bid-Ask-Spreads.

    Es gilt eine einfache Regel: Je größer Angebot und Nachfrage sind, desto liquider ist die Aktie und desto „enger“, also desto niedriger ist der Spread. Bei geringer Liquidität ist die Spanne hingegen größer. Stark gehandelte Aktien großer DAX-Konzerne haben entsprechend einen besonders niedrigen Bid-Ask-Spread in Höhe von teils nur einem Cent.

    💡 Tipp

    Beobachte den Spread deiner Wunschaktie zu verschiedenen Tageszeiten. Oft ist er kurz nach Börseneröffnung und kurz vor Börsenschluss am niedrigsten, da dann das Handelsvolumen am höchsten ist. Plane deine Trades entsprechend, um Kosten zu sparen.

    Das Marktverhalten folgt dabei klaren Mustern: Übersteigt die angebotene Menge die zu einem Zeitpunkt nachgefragte Menge deutlich, sind Verkäufer:innen in der Regel eher bereit, niedrigere Preise zu akzeptieren. Verhält es sich genau umgekehrt, übersteigt also die Nachfrage das Angebot, akzeptieren Käufer:innen auch höhere Preise. Diese Dynamik sorgt für ständige Bewegung an den Finanzmärkten.

    Market Maker: Die unsichtbaren Stabilisatoren

    Wenn es um die Liquidität von Wertpapieren an der Börse geht, spielen sogenannte Market Maker eine wichtige Rolle. Market Maker, zu Deutsch „Markt-Macher“, sind Marktteilnehmer:innen auf Finanzmärkten, die auf eigenes Risiko durch den Kauf und Verkauf großer Mengen von Aktien oder anderen Vermögenswerten für Liquidität sorgen. Sie greifen in die Marktentwicklung ein, indem sie Angebots- und Nachfragelücken durch Verkäufe und Käufe ausgleichen.

    Dadurch gewährleisten und unterstützen Market Maker ein reibungsloses Funktionieren der Finanzmärkte, die Stabilität der Börsenkurse und geringe Volatilitäten. Bei Market Makern kann es sich um Einzelpersonen handeln, meist sind es aber ganze Institutionen.

    📌 Gut zu wissen

    Market Maker sind gesetzlich verpflichtet, kontinuierlich Kauf- und Verkaufspreise zu stellen. Ohne sie wäre der Handel vieler Wertpapiere, besonders bei kleineren Aktien, kaum möglich oder mit extrem hohen Spreads verbunden.

    Ihr Geschäftsmodell basiert auf dem Bid-Ask-Spread: Sie verdienen ihr Geld durch die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs. Selbst wenn der Spread niedrig ist, können durch hohe Handelsvolumina deutliche Gewinne für Market Maker entstehen, die deren Kursrisiken ausgleichen. Diese Akteur:innen sind damit unverzichtbar für funktionierende Märkte.

    Bid-Ask-Spread und Slippage

    Anleger:innen haben grundsätzlich ein Interesse daran, hohe Handelsgebühren durch den Bid-Ask-Spread zu vermeiden, da sie die Rendite beeinträchtigen. Von Bedeutung ist dabei die Zeitspanne zwischen der Platzierung einer Order bei einem Broker, also der Person oder Institution, die die Transaktion durchführt, und deren tatsächlicher Durchführung. Das heißt, dass sich der Markt und damit der erwartete Kurs einer Aktie in diesem Zeitraum ändern kann.

    Diese Änderung wird als Slippage bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Schwund“. Slippage kann für Anleger:innen etwas Gutes sein, also zu Gewinn führen, oder etwas Schlechtes sein und Verlust bedeuten. Es ist auch möglich, dass überhaupt keine Slippage auftritt und der Handel zum gewünschten Preis durchgeführt wird.

    Es wird zwischen zwei Arten unterschieden: Bei positiver Slippage wird der Handel zu einem besseren Auftrag ausgeführt. Bei negativer Slippage wird der Handel zu einem schlechteren Preis ausgeführt. Einige Märkte sind anfälliger für Slippage als andere. In der Regel tritt Slippage insbesondere auf sehr volatilen Märkten mit starken Kursschwankungen auf.

    💡 Tipp

    Verwende Limit-Orders statt Market-Orders, um Slippage zu vermeiden. Mit einer Limit-Order legst du den maximalen Kauf- oder minimalen Verkaufspreis fest. So hast du volle Kontrolle über den Ausführungspreis, auch wenn die Order möglicherweise nicht sofort ausgeführt wird.

    Was beim Anlegen zu berücksichtigen ist

    Sowohl der Bid-Ask-Spread als auch Slippage bedeuten für Anleger:innen Unsicherheit. Es gibt jedoch Wege, Verluste zu begrenzen und das eigene Risiko zu minimieren.

    Zunächst solltest du den Spread beobachten: Anleger:innen sollten den Spread und etwaige Änderungen einige Minuten beobachten, bevor sie ihre Order platzieren. Diese kurze Wartezeit kann entscheidend sein für den Erfolg deiner Transaktion.

    Ebenso wichtig ist es, auf dem Laufenden zu bleiben: Aktuelle geldpolitische Ereignisse und Änderungen können sich auf den Kurs auswirken. Wichtige Nachrichten sollten verfolgt werden, um den Handel unmittelbar vor oder nach Ereignissen zu vermeiden. Besonders zum Börsenschluss, nachts oder am Wochenende besteht die Gefahr, dass wichtige Nachrichten verpasst werden.

    📌 Gut zu wissen

    Bei wichtigen Wirtschaftsnachrichten wie Zinsentscheidungen oder Quartalszahlen kann der Spread kurzzeitig auf das Zehnfache oder mehr ansteigen. Vermeide Trading 30 Minuten vor und nach solchen Ereignissen, es sei denn, du verfolgst eine spezielle News-Trading-Strategie.

    Schließlich gilt es, Zeit und Ort zu berücksichtigen: Anleger:innen sollten darauf achten, auf möglichst liquiden Märkten zu handeln und hochvolatile Momente zu vermeiden. Auf dem Aktienmarkt etwa ist das Handelsvolumen in der Regel während der Eröffnungszeiten am höchsten, was zu engeren Spreads führt.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Was bedeutet Bid-Ask-Spread genau?

    Der Bid-Ask-Spread ist die Differenz zwischen dem höchsten Preis, den Käufer:innen zahlen wollen, und dem niedrigsten Preis, den Verkäufer:innen akzeptieren. Diese Spanne wird auch Geld-Brief-Spanne genannt und stellt eine indirekte Handelsgebühr dar.

    Q

    Welche Faktoren beeinflussen die Höhe des Spreads?

    Die Höhe des Spreads hängt hauptsächlich von Angebot, Nachfrage und Liquidität ab. Je liquider eine Aktie ist, desto niedriger ist der Spread. DAX-Aktien haben oft nur einen Cent Spread, während kleine Nebenwerte deutlich höhere Spreads aufweisen können.

    Q

    Was ist Slippage beim Wertpapierhandel?

    Slippage bezeichnet die Kursänderung zwischen Orderplatzierung und tatsächlicher Ausführung. Sie kann positiv oder negativ sein und tritt besonders auf volatilen Märkten mit starken Kursschwankungen auf. Mit Limit-Orders lässt sich Slippage vermeiden.

    Q

    Wie können Anleger:innen Verluste durch Spreads minimieren?

    Anleger:innen sollten den Spread vor der Order beobachten, aktuelle Nachrichten verfolgen und auf liquiden Märkten handeln. Hochvolatile Momente und Zeiten mit geringem Handelsvolumen sollten vermieden werden. Limit-Orders bieten zusätzlichen Schutz.

    Q

    Zu welcher Tageszeit ist der Spread am niedrigsten?

    Der Spread ist meist während der Haupthandelszeiten am niedrigsten, besonders in den ersten und letzten Handelsstunden. Bei deutschen Aktien ist dies zwischen 9:00 und 17:30 Uhr der Fall, wenn das Handelsvolumen am höchsten ist.

    Q

    Was sind Market Maker und warum sind sie wichtig?

    Market Maker sind Institutionen oder Personen, die kontinuierlich Kauf- und Verkaufspreise stellen und damit für Liquidität sorgen. Ohne sie wäre der Handel vieler Wertpapiere kaum möglich oder mit extrem hohen Spreads verbunden. Sie verdienen durch die Bid-Ask-Differenz.

  • Infrastruktur-Investments: Nachhaltige Rendite mit Zukunft

    Infrastruktur-Investments: Nachhaltige Rendite mit Zukunft

    Themen in diesem Artikel:

    • Was ist Infrastruktur?: Definition und Bedeutung der kritischen Infrastruktur mit neun Sektoren, die für die Gesellschaft unverzichtbar sind
    • Investitionsvolumen weltweit: Jährlich fließen 2,8 Billionen Dollar in Infrastruktur, dennoch besteht erheblicher Mehrbedarf für zukunftsfähige Entwicklung
    • Resilienz und Nachhaltigkeit: Moderne Infrastruktur muss widerstandsfähig gegen Krisen sein und klimafreundliche Lösungen bieten
    • Private Investitionsmöglichkeiten: Anleger:innen können über Aktien und ETFs gezielt in Infrastrukturunternehmen investieren und von diesem Wachstumsmarkt profitieren

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Marode Brücken, Zugausfälle und Funklöcher zeigen uns täglich, wie wichtig funktionierende Infrastruktur ist. Weltweit werden in den kommenden Jahren massive Investitionen benötigt, um die Infrastruktur auszubauen und zukunftsfest zu machen. Diese Entwicklung bietet auch für dich als Privatanleger:in interessante Chancen, in einen zukunftsträchtigen Sektor zu investieren, der gleichzeitig gesellschaftlich relevant ist.

    Was ist überhaupt Infrastruktur?

    Infrastruktur bezeichnet wortwörtlich den „Unterbau“ unserer Gesellschaft. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen – infra bedeutet „unterhalb“ und structura steht für „Ordnung, Bau“. Im heutigen Sprachgebrauch umfasst Infrastruktur alle grundlegenden Einrichtungen und Systeme, die unser tägliches Leben ermöglichen. Dazu gehören Straßen und Schienen ebenso wie Windräder, Funkmasten oder Krankenhäuser. Die Auswirkungen von Problemen in diesen Bereichen spüren wir alle unmittelbar im Alltag.

    Besonders wichtig ist die sogenannte kritische Infrastruktur, kurz KRITIS. Hier haben Probleme oder Ausfälle besonders schwerwiegende Folgen für die gesamte Gesellschaft. Deutschland hat bereits 2011 neun Sektoren definiert, die zur kritischen Infrastruktur gehören: Transport & Verkehr, Wasser, Energie, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Gesundheit, Informationstechnik & Telekommunikation, Medien & Kultur sowie Staat & Verwaltung. Diese Bereiche bilden das Rückgrat unserer modernen Gesellschaft und müssen jederzeit zuverlässig funktionieren.

    📌 Gut zu wissen

    Die Einstufung als kritische Infrastruktur bringt besondere Auflagen mit sich: Unternehmen in diesen Bereichen müssen strenge Sicherheitsvorkehrungen treffen und regelmäßige Audits durchlaufen. Dies schafft zwar höhere Kosten, bietet aber auch mehr Investitionssicherheit für Anleger:innen.

    Wie viel Geld wird in Infrastruktur investiert?

    Infrastruktur ist zunächst Aufgabe des Staates, doch die genaue Höhe der Gesamtinvestitionen lässt sich schwer beziffern. Die Zuständigkeit verteilt sich auf verschiedene Ministerien und Bereiche. Ein konkretes Beispiel: Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr verfügte im Haushalt 2022 über 36,1 Milliarden Euro – das entspricht 7,28 Prozent des gesamten Bundeshaushalts. Dieser Betrag deckt allerdings nur einen Teil der gesamten Infrastrukturausgaben ab.

    Weltweit fließen nach Schätzungen der DWS Group jährlich etwa 2,8 Billionen Dollar in die Infrastruktur. Dennoch urteilen viele Expert:innen, dass diese Investitionen nicht ausreichen, um unsere Welt auf die Zukunft vorzubereiten. Der Investitionsbedarf ist deutlich höher als die aktuellen Ausgaben. Um diese Lücke zu schließen, ist der Staat zunehmend auf private Unternehmen angewiesen. Einsparungen bei der Infrastruktur schaden letztlich der gesamten Gesellschaft – sei es durch marode Brücken, die den Verkehr behindern, oder durch zu langsames Internet, das die Digitalisierung ausbremst.

    💡 Tipp

    Achte bei deinen Infrastruktur-Investments auf Public-Private-Partnership-Projekte (PPP). Diese bieten oft langfristige, staatlich garantierte Einnahmen und damit eine hohe Planungssicherheit. Unternehmen mit PPP-Verträgen haben meist stabilere Cashflows als rein private Infrastrukturbetreiber.

    Quick-Info

    Eine wesentliche Richtlinie für die zukünftige Entwicklung der Infrastruktur sind die Sustainable Development Goals (SDGs), die alle Mitglieder der Vereinten Nationen, also auch Deutschland, im Jahr 2015 beschlossen haben. Zu den siebzehn globalen Nachhaltigkeitszielen, die bis 2030 umgesetzt werden sollen, gehören zum Beispiel sauberes Wasser und nachhaltige Produktion – weltweit.

    Resilienz und Nachhaltigkeit

    Wofür wird das Geld in der Infrastruktur überhaupt gebraucht? Viel muss neu gebaut werden, vor allem in Entwicklungsländern. Gleichzeitig darf die Instandhaltung bestehender Anlagen nicht vernachlässigt werden. In Deutschland zeigt sich das Problem deutlich an maroden Straßen und Brücken – ein direktes Ergebnis von zu geringen Investitionen in die Infrastruktur. Darüber hinaus befindet sich vieles im Umbau, wobei zwei Stichworte im Zentrum stehen: Resilienz und Nachhaltigkeit.

    Eine resiliente Infrastruktur zeichnet sich durch ihre Widerstandsfähigkeit aus. Sie muss verschiedensten Herausforderungen standhalten können – von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdbeben bis hin zu Sabotageakten wie Cyber-Angriffen. Außerdem muss die Infrastruktur mit wachsenden Anforderungen Schritt halten können, beispielsweise mit dem steigenden Bedarf an schnellem Internet bei Privatpersonen und Unternehmen.

    📌 Gut zu wissen

    Die EU-Taxonomie-Verordnung definiert seit 2020 genau, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig gelten. Für Infrastrukturinvestitionen bedeutet das: Nur Projekte, die bestimmte Umweltkriterien erfüllen, dürfen als „grüne Investments“ vermarktet werden. Dies schafft Transparenz für Anleger:innen.

    Die Nachhaltigkeit spielt bei jedem Infrastrukturprojekt eine zentrale Rolle. Aktuell ist es wichtiger denn je, dass unsere Infrastruktur verlässlich, klimafreundlich und zukunftsfähig ist. Im Energiebereich liegt der Fokus deswegen verstärkt auf erneuerbaren Energien. Diese Transformation erfordert nicht nur technologische Innovation, sondern auch erhebliche finanzielle Mittel, die sowohl aus öffentlichen als auch aus privaten Quellen stammen müssen.

    Private Investition in Infrastruktur

    Ein Teil der Infrastruktur liegt in der öffentlichen Hand und wird durch Steuern finanziert. Allerdings gibt es auch in der kritischen Infrastruktur Bereiche, die in privater Hand liegen – bei Unternehmen. Das eröffnet dir als Privatanleger:in die Chance, gezielt Aktien dieser Unternehmen zu kaufen, beispielsweise im Bereich der Energieversorgung oder der Telekommunikation.

    💡 Tipp

    Diversifiziere deine Infrastruktur-Investments über verschiedene Sektoren und Regionen. Kombiniere beispielsweise Telekommunikationsaktien aus Europa mit Energieversorgern aus Nordamerika und Verkehrsinfrastruktur aus Asien. So reduzierst du das Risiko von regionalen oder sektorspezifischen Krisen.

    Wenn du auf ETFs setzt, investierst du wahrscheinlich bereits in Infrastruktur. Im MSCI World sind Branchen aus der Infrastruktur enthalten. Es gibt aber auch ETFs, die einen speziellen Fokus auf Infrastruktur legen, zum Beispiel den weltweiten iShares Global Infrastructure ETF. Diese spezialisierten Fonds ermöglichen dir eine gezielte Investition in diesen zukunftsträchtigen Sektor. Du profitierst dabei nicht nur von den erwarteten Wachstumschancen, sondern trägst auch zur Finanzierung wichtiger gesellschaftlicher Projekte bei. Die Kombination aus stabilen Renditeaussichten und gesellschaftlicher Relevanz macht Infrastrukturinvestitionen zu einer attraktiven Option für nachhaltig orientierte Anleger:innen.

    📌 Gut zu wissen

    Infrastruktur-ETFs haben oft eine höhere Dividendenrendite als der breite Markt, da viele Infrastrukturunternehmen stabile Cashflows generieren. Allerdings reagieren sie auch sensibler auf Zinsänderungen – bei steigenden Zinsen können die Kurse unter Druck geraten.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Was genau versteht man unter kritischer Infrastruktur (KRITIS)?

    Kritische Infrastruktur umfasst neun Sektoren wie Transport & Verkehr, Energie, Gesundheit und Telekommunikation, bei denen Ausfälle schwerwiegende gesellschaftliche Folgen hätten. Diese Bereiche unterliegen besonderen Sicherheitsauflagen und regelmäßigen Audits.

    Q

    Wie hoch ist das weltweite Investitionsvolumen in Infrastruktur?

    Weltweit fließen jährlich etwa 2,8 Billionen Dollar in Infrastruktur. Expert:innen schätzen jedoch, dass dieser Betrag nicht ausreicht und der tatsächliche Bedarf deutlich höher liegt, um zukünftige Anforderungen zu erfüllen.

    Q

    Welche konkreten Möglichkeiten haben Privatanleger:innen für Infrastruktur-Investments?

    Du kannst über Einzelaktien von Infrastrukturunternehmen (z.B. Energieversorger, Telekommunikation) oder spezialisierte ETFs wie den iShares Global Infrastructure ETF investieren. ETFs bieten dabei eine breite Diversifikation über verschiedene Sektoren und Regionen.

    Q

    Was bedeutet Resilienz bei Infrastrukturprojekten?

    Resiliente Infrastruktur muss Naturkatastrophen, Cyber-Angriffen und wachsenden Anforderungen standhalten können. Sie ist so konzipiert, dass sie sich schnell von Störungen erholt und die Versorgungssicherheit der Gesellschaft gewährleistet bleibt.

    Q

    Welche Risiken gibt es bei Infrastruktur-Investments?

    Infrastruktur-Investments reagieren sensibel auf Zinsänderungen – bei steigenden Zinsen können die Kurse unter Druck geraten. Zudem unterliegen sie politischen und regulatorischen Risiken, da viele Bereiche stark reguliert sind oder von staatlichen Entscheidungen abhängen.

    Q

    Wie wirkt sich die EU-Taxonomie auf Infrastruktur-Investments aus?

    Die EU-Taxonomie-Verordnung definiert seit 2020, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig gelten. Nur Infrastrukturprojekte, die bestimmte Umweltkriterien erfüllen, dürfen als „grüne Investments“ vermarktet werden, was mehr Transparenz für nachhaltig orientierte Anleger:innen schafft.

  • Aktien kaufen: Der komplette Leitfaden für Einsteiger

    Aktien kaufen: Der komplette Leitfaden für Einsteiger

    Themen in diesem Artikel:

    • Was ist eine Aktie?: Erfahre, wie Aktien als Unternehmensanteile funktionieren und welche Chancen und Risiken sie für Anleger:innen bieten.
    • Das Aktiendepot: Verstehe, warum du ein digitales Wertpapierdepot benötigst und worauf du bei der Auswahl des Anbieters achten solltest.
    • Börsen- vs. Direkthandel: Lerne die Unterschiede zwischen reguliertem Börsenhandel und flexiblem Direkthandel kennen und finde heraus, welche Option für dich geeignet ist.
    • Aktien online kaufen: Entdecke den praktischen Ablauf beim Online-Aktienkauf, von der ISIN-Nummer bis zur finalen Order-Platzierung.

    Du möchtest in Aktien investieren, weißt aber nicht genau, wie der Kaufprozess funktioniert? Dieser Artikel führt dich Schritt für Schritt durch alle wichtigen Aspekte des Aktienhandels – von der Depot-Eröffnung über die Wahl des richtigen Handelsplatzes bis zur erfolgreichen Order-Platzierung.

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Du möchtest in Aktien investieren und fragst dich, wie der Kaufprozess konkret abläuft? Die gute Nachricht: Der Online-Aktienkauf ist heute einfacher als je zuvor. In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über Aktiendepots, Handelsplätze und den praktischen Ablauf beim Aktienkauf. Wir erklären dir den Unterschied zwischen Börsen- und Direkthandel, zeigen dir, was ISIN-Nummern sind und worauf du beim Einrichten deines Depots achten solltest.

    Was ist eine Aktie?

    Aktien sind Wertpapiere, die Anteile an Unternehmen verbriefen. Wenn du eine Aktie kaufst, wirst du Aktionär:in und damit Gesellschafter:in des jeweiligen Unternehmens. Unternehmen nutzen Aktien als Finanzierungsinstrument, um ihren Eigenkapitalanteil zu erhöhen. Sie veräußern diese Anteile zu einem bestimmten Kurswert am Aktienmarkt.

    Nicht jedes Unternehmen darf Aktien ausgeben. Dieses Recht haben ausschließlich bestimmte Kapitalgesellschaften: die Aktiengesellschaft (AG), die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und die Europäische Gesellschaft (SE). Als Aktionär:in bist du direkt an Gewinn und Verlust des Unternehmens beteiligt.

    Diese Beteiligung bringt sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Wächst das Unternehmen, steigt in der Regel auch der Wert deiner Aktien. Du kannst deine Anteile dann gewinnbringend verkaufen. Steckt das Unternehmen dagegen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sinkt der Aktienwert entsprechend. In diesem Fall drohen dir als Anleger:in Verluste. Deshalb gilt der Aktienhandel als Investmentanlage mit Risiko.

    📌 Gut zu wissen

    Als Aktionär:in hast du keine Haftung über dein eingesetztes Kapital hinaus. Selbst wenn das Unternehmen Insolvenz anmeldet, kannst du maximal den Wert deiner Aktien verlieren, aber kein darüber hinausgehendes Privatvermögen.

    Was ist ein Aktiendepot?

    Für den Kauf von Aktien benötigst du ein Aktiendepot, auch Wertpapierdepot genannt. Da Wertpapiere heute überwiegend online gehandelt werden, ist auch das Depot digital. In Aufbau und Funktion ähnelt es einem Online-Girokonto und bietet dir einen übersichtlichen Zugang zu deinen Investments.

    Du kannst ein digitales Wertpapierdepot bei verschiedenen Anbietern einrichten: Sparkassen, Volksbanken, Direktbanken oder Online-Broker bieten entsprechende Lösungen an. Dein Depot listet alle Aktien auf, die du besitzt. Auf einen Blick siehst du den aktuellen Wert jeder Position, das Kaufdatum und den damaligen Kurswert beim Erwerb.

    Alle Käufe und Verkäufe von Aktien werden deinem Wertpapierdepot gutgeschrieben oder davon abgebucht. Die anfallenden Kosten für diese Transaktionen werden automatisch mit einem verknüpften Referenzkonto verrechnet – in der Regel ist das dein Girokonto.

    💡 Tipp

    Viele Online-Broker bieten kostenlose Demo-Depots an, mit denen du den Aktienhandel ohne echtes Geld üben kannst. Nutze diese Möglichkeit, um dich mit der Oberfläche vertraut zu machen und erste Strategien zu testen, bevor du echtes Kapital einsetzt.

    Wertpapierdepot eröffnen: Darauf solltest du achten

    Bevor du ein Wertpapierdepot eröffnest, lohnt sich ein gründlicher Vergleich verschiedener Anbieter. Die Kosten- und Gebührenunterschiede können erheblich sein und wirken sich langfristig auf deine Rendite aus. Beim Einrichten deines Depots füllst du in der Regel einen Antrag sowie einen Wertpapierhandelsbogen aus.

    Dabei wird deine bisherige Anlageerfahrung abgefragt. Du gibst außerdem an, in welche Anlageklassen du künftig investieren möchtest – beispielsweise ETFs, Fonds, Aktien oder Anleihen. Hochrisikoprodukte wie spekulative Optionen stehen dir standardmäßig nicht zur Verfügung. Für den Handel mit solchen Produkten musst du einen separaten Sonderantrag bei der Bank einreichen.

    📌 Gut zu wissen

    Die Angaben zu deiner Anlageerfahrung dienen dem Anlegerschutz. Banken sind gesetzlich verpflichtet, dich vor zu riskanten Investments zu warnen oder diese sogar zu verweigern, wenn sie nicht zu deinem Erfahrungslevel passen. Sei hier ehrlich – es geht um deinen eigenen Schutz.

    Was ist der Unterschied zwischen Börsen- und Direkthandel?

    Beim Online-Kauf von Aktien stehen dir verschiedene Handelsplätze zur Verfügung. Du kannst zwischen unterschiedlichen Börsen oder dem Direkthandel wählen. Diese beiden Optionen unterscheiden sich grundlegend in ihrer Funktionsweise.

    Beim Börsenhandel werden Kauf- und Verkaufsgesuche unter Einhaltung bestimmter Regularien koordiniert. Der Preis der Aktien bildet sich durch Angebot und Nachfrage. Dieser regulierte Handel bietet dir Transparenz und Sicherheit durch festgelegte Regeln.

    Beim Direkthandel bieten Handelshäuser oder Banken Aktien aus ihrem eigenen Bestand direkt an. Der Handel ist nicht reguliert, und die Verkaufenden legen die Preise selbst fest. Allerdings dürfen diese Preise nicht unterhalb der zuletzt notierten Börsenkurse liegen.

    Für Einsteiger:innen eignet sich besonders der Direkthandel. Der Zugang ist einfacher und der Handel häufig günstiger. Es fallen weder zusätzliche Börsengebühren noch Mehrfachbelastungen für eine Order an. Auch zeitverzögerte Kurse gehören der Vergangenheit an. Wichtig ist jedoch: Kaufe nur während der Öffnungszeiten der Börsen, also montags bis freitags zwischen 9 Uhr und 17:30 Uhr.

    💡 Tipp

    Vergleiche bei jeder Order die Preise an verschiedenen Handelsplätzen. Dein Broker zeigt dir meist automatisch die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) an. Wähle den Handelsplatz mit dem engsten Spread – das spart dir bares Geld, besonders bei größeren Orders.

    So kaufst du Aktien online

    Hast du dich für einen Anbieter entschieden und dein Depot eingerichtet, kann der eigentliche Aktienkauf beginnen. Die Online-Depots unterscheiden sich je nach Produkt zwar geringfügig, der grundlegende Ablauf bleibt aber immer ähnlich. Um in deinem Depot die richtige Aktie zu finden, benötigst du entweder ihren Namen oder für eine präzisere Suche die ISIN- oder WKN-Nummer.

    ISIN steht für „International Security Identification Number“ und wurde 2003 als weltweit einheitliches Kennnummernsystem für Aktien eingeführt. Diese internationale Nummer identifiziert jede Aktie eindeutig und verhindert Verwechslungen.

    WKN steht für „Wertpapier-Kennnummer“ und ist die nationale Variante der ISIN. Der sechsstellige alphanumerische Code der WKN ist mittlerweile in die ISIN eingegliedert. Beide Nummern dienen der eindeutigen Identifikation einer Aktie.

    Gib eine der beiden Nummern oder den Namen des Unternehmens, in das du investieren möchtest, in die Suchmaske deines Depots ein. Das System zeigt dir dann die entsprechende Aktie mit allen relevanten Informationen an. Von hier aus kannst du deine Order platzieren und den Kaufprozess abschließen.

    📌 Gut zu wissen

    Bei der Order-Eingabe kannst du verschiedene Order-Typen wählen: Market-Order (sofortiger Kauf zum aktuellen Preis), Limit-Order (Kauf nur bis zu einem festgelegten Höchstpreis) oder Stop-Loss-Order (automatischer Verkauf bei Unterschreiten eines bestimmten Kurses). Für Anfänger:innen empfiehlt sich meist die Limit-Order, um nicht zu viel zu zahlen.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Wie viel Geld brauche ich mindestens für den Aktienkauf?

    Es gibt keine gesetzliche Mindestanlage für Aktien. Theoretisch kannst du bereits mit dem Preis einer einzelnen Aktie starten, der je nach Unternehmen zwischen wenigen Euro und mehreren hundert Euro liegen kann. Beachte aber die Ordergebühren – bei kleinen Beträgen können diese prozentual sehr hoch ausfallen. Als Faustregel gilt: Ab etwa 500-1000 Euro pro Order lohnt sich der Kauf meist.

    Q

    Kann ich Aktien auch wieder verkaufen, wenn ich sie gerade erst gekauft habe?

    Ja, du kannst Aktien jederzeit während der Handelszeiten verkaufen – auch direkt nach dem Kauf. Es gibt keine Mindesthaltedauer. Allerdings fallen bei jedem Verkauf wieder Ordergebühren an, und bei Gewinnen innerhalb eines Jahres musst du diese versteuern (Abgeltungssteuer von 25% plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer).

    Q

    Was passiert mit meinen Aktien, wenn mein Broker pleite geht?

    Deine Aktien sind Sondervermögen und gehören dir, nicht dem Broker. Bei einer Insolvenz des Brokers werden deine Wertpapiere an dich herausgegeben oder zu einem anderen Depot übertragen. Nur Barguthaben auf dem Verrechnungskonto unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro.

    Q

    Welche Kosten fallen beim Aktienhandel konkret an?

    Die Kosten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen: Depotführungsgebühren (oft kostenlos bei Online-Brokern), Ordergebühren pro Transaktion (meist 5-15 Euro), eventuell Börsenplatzgebühren (1-5 Euro) und der Spread. Zusätzlich fällt bei Gewinnen die Abgeltungssteuer von 25% plus Solidaritätszuschlag an.

    Q

    Sollte ich als Anfänger:in lieber in ETFs oder Einzelaktien investieren?

    ETFs (Exchange Traded Funds) sind für Einsteiger:innen oft die bessere Wahl, da sie automatisch in viele Aktien gleichzeitig investieren und so das Risiko streuen. Mit Einzelaktien kannst du höhere Gewinne erzielen, trägst aber auch ein größeres Verlustrisiko. Viele Anleger:innen kombinieren beide Strategien: ETFs als Basis und einzelne Aktien als Beimischung.

  • UCITS-Fonds: Der ultimative Leitfaden für sichere Investments

    UCITS-Fonds: Der ultimative Leitfaden für sichere Investments

    Themen in diesem Artikel:

    • Was ist UCITS?: Europäische Richtlinie für Investmentfonds, die einheitliche Schutzstandards für Anleger:innen in der EU festlegt und grenzüberschreitende Investitionen erleichtert.
    • Risikostreuung bei UCITS: Die 5-10-40-Regel sorgt für Diversifikation und begrenzt Investitionen in Einzelpositionen auf maximal 10 Prozent des Fondsvermögens.
    • UCITS-ETF und Anlegerschutz: ETFs mit UCITS-Siegel bieten kostengünstige Indexabbildung mit strengen Sicherheitsvorgaben und maximal 20 Prozent Einzelpositionsanteil.
    • Vorteile von UCITS: Qualitätsmerkmal für Sicherheit, Transparenzpflichten und Europa-Pass für grenzüberschreitenden Vertrieb in allen EWR-Staaten.
    • UCITS-Produkte erkennen: Echte UCITS-Kennzeichnung im Fondsprospekt prüfen und Vorsicht bei Formulierungen wie „UCITS-geeignet“ oder „UCITS-konform“.

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    UCITS: Darauf musst du beim Anlegen achten

    Die Welt der Finanzprodukte ist riesig – und UCITS hilft dir dabei, sichere Investmentfonds zu erkennen. Diese europäische Richtlinie schützt dich als Anleger:in durch klare Regeln zur Risikostreuung und Transparenz. Ob du in klassische Fonds oder ETFs investieren möchtest: UCITS gibt dir die Sicherheit, dass dein Investment strengen Qualitätsstandards entspricht und du alle wichtigen Informationen erhältst.

    UCITS: Was ist das?

    UCITS steht für Undertakings for the Collective Investment in Transferable Securities – auf Deutsch: Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren, kurz OGAW. Diese europäische Vorschrift wurde geschaffen, um dich als Anleger:in besser zu schützen, wenn du dein Geld in Investmentfonds innerhalb der EU anlegst. Gleichzeitig macht sie es dir leichter, über Staatsgrenzen hinweg in seriöse Fonds zu investieren.

    Die UCITS-Richtlinie regelt einheitliche Standards für den gesamten europäischen Raum. Sie legt genau fest, welche Pflichtinformationen du als Anleger:in erhalten musst und in welche Vermögensgegenstände ein UCITS-Fonds investieren darf. Finanzprodukte, die nach diesen Vorgaben eingerichtet wurden, erhalten einen sogenannten Europa-Pass. Mit diesem Pass darf das Produkt in allen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes angeboten werden – das sind die 27 EU-Mitgliedsstaaten plus Norwegen, Liechtenstein und Island.

    📌 Gut zu wissen

    Die erste UCITS-Richtlinie stammt aus dem Jahr 1985. Seitdem wird das Regelwerk regelmäßig überarbeitet und an aktuelle Marktentwicklungen angepasst, um deinen Schutz als Anleger:in kontinuierlich zu verbessern.

    Als Anleger:in eines UCITS-Produkts hast du Anspruch auf umfassende Informationen: Du erhältst einen ausführlichen und vereinfachten Verkaufsprospekt sowie die Jahres- und Halbjahresberichte. Darüber hinaus gibt es klare Vorgaben zur Risikostreuung und Risikobegrenzung des Fonds, und eine gewisse Liquidität wird gefordert.

    Kurz erklärt: Risikostreuung bei UCITS-Produkten

    Die UCITS-Richtlinie schreibt Produktanbietern die sogenannte 5-10-40-Regel vor, um eine breite Diversifikation zu gewährleisten. Diese Regel schützt dich vor zu großen Konzentrationsrisiken in deinem Investment. Konkret bedeutet das: Höchstens 10 Prozent des Fondsvermögens dürfen in eine Einzelposition investiert sein – also in Wertpapiere eines einzigen Emittenten.

    Die Regel geht aber noch weiter: Wenn der Fonds mehr als 5 Prozent der Aktien eines Unternehmens hält, dürfen diese Investitionen in der Summe maximal 40 Prozent des gesamten Portfolios ausmachen. Diese Vorgaben sorgen dafür, dass dein Geld nicht zu stark von der Entwicklung einzelner Unternehmen abhängt. Durch diese Streuung wird das Verlustrisiko deutlich reduziert, selbst wenn einzelne Positionen im Fonds an Wert verlieren sollten.

    💡 Tipp

    Achte bei der Fondsauswahl darauf, ob die 5-10-40-Regel eingehalten wird. Diese Information findest du im Fondsprospekt unter „Anlagebeschränkungen“. So stellst du sicher, dass dein Investment breit gestreut und damit risikoärmer ist.

    Anlegerschutz bei UCITS-ETF

    Als Privatanleger:in solltest du darauf achten, dass entsprechende Finanzprodukte als UCITS-Wertpapiere gekennzeichnet sind und somit die strengen Vorgaben erfüllen. Viele Fonds tragen das UCITS-Siegel, darunter auch zahlreiche ETFs. Der Unterschied zwischen klassischen Investmentfonds und ETFs liegt in der Verwaltung: Während bei einem Investmentfonds Fondsmanager:innen aktiv Anlageentscheidungen treffen, bildet ein ETF einen Index eins zu eins nach – und ist dadurch deutlich kostengünstiger.

    ETFs gibt es beispielsweise auf den DAX und andere wichtige Indizes. Sie bieten dir die Möglichkeit, direkt an der Kursentwicklung eines Index zu partizipieren, ohne einzelne Aktien kaufen zu müssen. Bei UCITS-ETFs gelten besondere Schutzregeln: Maximal 20 Prozent des ETF-Vermögens dürfen in eine Einzelposition fließen – also beispielsweise in die Wertpapiere eines DAX-Unternehmens wie BMW. Diese Regelung ist etwas großzügiger als bei klassischen UCITS-Fonds, bietet dir aber dennoch einen soliden Schutz vor Konzentrationsrisiken.

    📌 Gut zu wissen

    Die höhere Einzelpositionsgrenze von 20 Prozent bei UCITS-ETFs wurde eingeführt, um die exakte Nachbildung von Indizes zu ermöglichen. In manchen Indizes haben einzelne Unternehmen ein Gewicht von über 10 Prozent.

    Welche Vorteile bietet UCITS?

    UCITS funktioniert wie ein Qualitätsmerkmal, auf das du dich verlassen kannst. Wenn ein Produkt mit UCITS gekennzeichnet ist, erfüllt es bestimmte Sicherheitsanforderungen, die europaweit einheitlich sind. Nur Investmentfonds, die die UCITS-Vorgaben tatsächlich erfüllen, dürfen auch so heißen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Manche Investmentfonds werben mit den Angaben „UCITS-geeignet“ oder „UCITS-konform“. Diese Formulierung bedeutet lediglich, dass das Finanzprodukt theoretisch unter diesen Vorgaben laufen könnte – es aber nicht tut.

    Solche Anbieter bedienen sich der Strahlkraft des Begriffes, ohne sich den strengen Anforderungen selbst zu unterwerfen. Das ist ein wichtiger Unterschied, den du kennen solltest. Ob es sich wirklich um ein UCITS-Finanzprodukt handelt, kannst du im Fondsprospekt nachlesen. Zusätzlich führt die BaFin eine Fondsdatenbank, in der du gezielt nach UCITS-Fonds und Nicht-UCITS-Fonds filtern kannst. Diese Transparenz gibt dir die Sicherheit, dass du genau weißt, in was du investierst.

    💡 Tipp

    Prüfe immer den Fondsprospekt und nutze die BaFin-Fondsdatenbank für deine Recherche. Nur die eindeutige Bezeichnung „UCITS“ ohne Zusätze wie „geeignet“ oder „konform“ garantiert dir den vollen Anlegerschutz nach europäischen Standards.

    UCITS für Anlegerschutz und grenzüberschreitende Fondsangebote

    UCITS ist eine Richtlinie zu Investmentfonds, die europäische Auflagen zum Anlegerschutz vorgibt – etwa zur Risikostreuung und Vermögensstruktur. Sie schützt dich, wenn du dein Kapital in der EU in Investmentfonds investierst. Die Richtlinie schreibt unter anderem vor, welche Informationen du als Anleger:in ausgehändigt bekommen musst und dass das Fondsvermögen gestreut sein muss, um das Verlustrisiko möglichst kleinzuhalten.

    Zudem erleichtert die UCITS-Richtlinie dir, über Staatsgrenzen hinaus seriös in Fonds zu investieren. Der Europa-Pass ermöglicht es, dass geprüfte Produkte in allen EWR-Staaten angeboten werden können, ohne dass du dir Sorgen um unterschiedliche nationale Regelungen machen musst. Diese Harmonisierung schafft Vertrauen und macht grenzüberschreitende Investitionen deutlich einfacher und sicherer für dich.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Was ist ein UCITS-Fonds?

    Ein UCITS-Fonds ist ein Investmentfonds, der den UCITS-Regularien unterliegt. UCITS steht für Undertakings for the Collective Investment in Transferable Securities. UCITS-regulierte Fonds können leichter grenzüberschreitend in Europa vertrieben werden und beinhalten einen besseren Anlegerschutz durch einheitliche Standards.

    Q

    Welche Vorteile bietet UCITS für Anleger:innen?

    UCITS bietet dir als Qualitätsmerkmal Sicherheit durch strenge Vorgaben zur Risikostreuung, Transparenzpflichten und umfassende Informationsrechte. Du erhältst Verkaufsprospekte und regelmäßige Berichte. Zudem ermöglicht der Europa-Pass grenzüberschreitende Investitionen in allen EWR-Staaten mit einheitlichen Schutzstandards.

    Q

    Was bedeutet die 5-10-40-Regel bei UCITS?

    Die 5-10-40-Regel sorgt für Diversifikation: Maximal 10 Prozent des Fondsvermögens dürfen in eine Einzelposition investiert sein. Wenn der Fonds mehr als 5 Prozent der Aktien eines Unternehmens hält, dürfen diese Investitionen zusammen höchstens 40 Prozent des Portfolios ausmachen.

    Q

    Wie erkenne ich echte UCITS-Produkte?

    Echte UCITS-Produkte sind im Fondsprospekt eindeutig als solche gekennzeichnet. Vorsicht bei Formulierungen wie „UCITS-geeignet“ oder „UCITS-konform“ – diese erfüllen die Standards nicht tatsächlich. Die BaFin-Fondsdatenbank ermöglicht dir eine gezielte Suche nach zertifizierten UCITS-Fonds.

    Q

    Was ist der Unterschied zwischen UCITS-Fonds und UCITS-ETF?

    UCITS-Fonds werden aktiv von Fondsmanager:innen verwaltet, während UCITS-ETFs passiv einen Index nachbilden und dadurch kostengünstiger sind. Bei UCITS-ETFs dürfen maximal 20 Prozent des Vermögens in eine Einzelposition fließen, bei klassischen UCITS-Fonds sind es nur 10 Prozent.

    Q

    In welchen Ländern gelten UCITS-Regelungen?

    UCITS-Regelungen gelten im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum. Das umfasst alle 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Liechtenstein und Island. Der Europa-Pass ermöglicht den grenzüberschreitenden Vertrieb von UCITS-Produkten in allen diesen Staaten mit einheitlichen Schutzstandards.

  • Negativzinsen verstehen: Ursachen, Auswirkungen & Strategien

    Negativzinsen verstehen: Ursachen, Auswirkungen & Strategien

    Themen in diesem Artikel:

    • Was sind Negativzinsen?: Erfahre, was Negativzinsen sind, warum du als Sparer:in plötzlich für Guthaben zahlen musst und welche Rolle Freibeträge auf Spar- und Tagesgeldkonten dabei spielen.
    • Ursachen von Negativzinsen: Verstehe, wie die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, insbesondere Hauptrefinanzierungs- und Einlagenzins, zu Negativzinsen geführt hat und warum Banken diese an ihre Kundschaft weitergegeben haben.
    • Negativzinsen vermeiden: Lerne, wie du Freibeträge optimal nutzt, Guthaben auf Konten und Banken verteilst und mit einem Wertpapierdepot samt ETFs und Fonds Strafzinsen umgehen kannst.
    • Negativzinsen bei Krediten: Erfahre, warum niedrige und negative Zinsen für Kreditnehmer:innen vorteilhaft sind, wie sie zu historisch günstigen Baufinanzierungen führten und welche Chancen sich für Umschuldungen boten.
    • Entwicklung seit Juli 2022: Verfolge, wie die EZB mit der Zinswende die Negativzinsphase beendet hat, welche Auswirkungen das auf Einlagen- und Guthabenzinsen hatte und warum Sparer:innen wieder positivere Perspektiven haben.
    • Häufige Fragen zu Negativzinsen: Finde kompakte Antworten dazu, wann Negativzinsen anfallen, wie du sie legal vermeidest, warum sie eingeführt wurden, welche Begriffe synonym verwendet werden und ob Kreditnehmer:innen davon profitieren.

    Welche Kreditkarte passt zu dir?

    Negativzinsen: Eine europäische Angelegenheit

    Negativzinsen bedeuten, dass du als Sparer:in Geld dafür bezahlst, dein Vermögen bei einer Bank anzulegen – eine Umkehrung des klassischen Sparprinzips. Diese Strafzinsen fallen vor allem bei Guthaben auf Spar- oder Tagesgeldkonten an, meist erst ab Freibeträgen von 50.000 oder 100.000 Euro. Die Ursache liegt in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die den Einlagenzins jahrelang im negativen Bereich hielt. Seit Juli 2022 hat sich die Situation jedoch grundlegend geändert: Die EZB hob die Leitzinsen an, woraufhin die meisten deutschen Banken ihre Negativzinsen abschafften.

    Was sind Negativzinsen?

    Beim klassischen Sparen profitierst du von Zinsen, denn du erhältst Sparzinsen im Gegenzug dafür, dass du dein Geld bei einer Bank oder Sparkasse anlegst. Selbst niedrige Zinsen lassen dein Kapital wachsen, solange die Inflationsrate darunter liegt. Befindet sich der Zinssatz allerdings im negativen Bereich, dreht sich das Prinzip um: Dann zahlst du dem Kreditinstitut Zinsen dafür, dass du dein Geld dort anlegst.

    Diese Negativzinsen, die auch als Strafzinsen oder Verwahrgeld bezeichnet werden, fallen vor allem bei Geldbeständen auf sogenannten Sichteinlagen an. Dazu gehören Gelder auf Spar- oder Tagesgeldkonten. Die meisten Banken gewähren allerdings einen Freibetrag in Höhe von 50.000 oder 100.000 Euro, bis zu dessen Erreichen keine Negativzinsen fällig werden.

    📌 Gut zu wissen

    Nur auf das Geld, das den Freibetrag übersteigt, werden Zinsen verlangt. Das bedeutet für dich: Solange dein Guthaben unterhalb dieser Grenze bleibt, musst du keine Strafzinsen befürchten. Die Freibeträge variieren je nach Bank und können sich auf einzelne Konten oder pro Person beziehen.

    Negativzinsen und ihre Ursachen

    Die Banken orientieren sich bei ihrer Zinspolitik an der Europäischen Zentralbank, kurz EZB, die den Leitzins vorgibt. Sehr lange befand sich dieser Leitzins im positiven Bereich: 2008 lag er beispielsweise bei 3,0 Prozent. Nach der Finanzkrise schwankte er von 2009 bis 2012 zwischen 0,25 und 0,5 Prozent und fiel 2013 auf null. Mit dieser Zinspolitik sollte mehr Geld in Umlauf gebracht werden, um die Wirtschaftslage zu verbessern.

    Der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, lag zwischen März 2016 und Juli 2022 bei null Prozent. Der sogenannte Einlagenzins, einer der drei Leitzinsen, auf die die EZB Einfluss nehmen kann, lag seit November 2019 bei -0,5 Prozent. Dieser Einlagenzins ist der Zinssatz, den Banken für die überschüssigen Gelder erhalten, die sie bei der Zentralbank parken.

    Banken mussten also selbst Negativzinsen zahlen. Diese gaben sie an ihre Kundschaft weiter, um selbst ihre eigenen Geschäfte weiter ausüben zu können. Der Einlagenzins bestimmt maßgeblich die Zinssätze für Sparanlagen von Verbraucher:innen. Die Weitergabe der Negativzinsen war für viele Kreditinstitute eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um ihre Geschäftsmodelle aufrechtzuerhalten.

    So kannst du Negativzinsen vermeiden

    Da Negativzinsen von Banken und Sparkassen üblicherweise erst ab einem Freibetrag von 50.000 oder 100.000 Euro erhoben werden, hast du einen gewissen Spielraum, die Strafzinszahlung zu umgehen. Welcher Freibetrag für dich gilt, kannst du bei deiner Bank erfragen. In diesem Zuge solltest du auch herausfinden, ob sich der Freibetrag auf das einzelne Konto bezieht oder pro Person gilt.

    💡 Tipp

    Schichte dein Geld in ein Wertpapierdepot um und investiere dein Vermögen beispielsweise in ETFs oder andere Fonds. Diese Anlagestrategie bietet dir nicht nur Schutz vor Strafzinsen, sondern auch Chancen auf Rendite durch Wertsteigerungen deiner Investments. Achte dabei auf eine breite Streuung deiner Anlagen für optimale Risikoverteilung.

    Bezieht sich der Freibetrag nur auf das Konto, kannst du ein zusätzliches Konto eröffnen und dein Geld so verteilen, dass die Summen pro Konto den Freibetrag nicht überschreiten. Beachte aber, dass die Kontoführungsgebühren in der Regel in den vergangenen Jahren ebenfalls gestiegen sind. Sind die anfallenden Gebühren niedriger als die Negativzinsen, die du zahlen müsstest, kann diese Option für dich lohnend sein. Eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Rechnung hilft dir dabei, die beste Entscheidung zu treffen.

    Negativzinsen bei Krediten

    Während Niedrig- und Negativzinsen beim Sparen nicht profitabel sind, ist die Situation für Kreditnehmer:innen umso günstiger. Die auf Kredite zu zahlenden Zinsen sind ebenfalls äußerst niedrig, sodass es sich lohnen kann, einen neuen Kredit aufzunehmen oder zum Beispiel einen bereits länger laufenden Baukredit umzuschulden. Diese Niedrigzinsphase bot Verbraucher:innen historisch günstige Konditionen für Immobilienfinanzierungen und andere größere Anschaffungen.

    📌 Gut zu wissen

    Die günstigen Kreditkonditionen während der Negativzinsphase führten zu einem Boom am Immobilienmarkt. Viele Kreditnehmer:innen konnten von historisch niedrigen Bauzinsen profitieren und langfristige Finanzierungen zu außergewöhnlich guten Konditionen abschließen.

    Entwicklung seit Juli 2022

    Am 21. Juli 2022 verkündete EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einer Pressekonferenz das Ende der Negativzinsen: Nachdem der wichtigste Leitzins, der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz, sechs Jahre lang bei null Prozent lag, hob die EZB ihn auf 0,5 Prozent an, im September 2022 dann auf 1,25 Prozent und im Oktober auf 2,0 Prozent.

    Seit Juli haben viele deutsche Banken die Negativzinsen ganz oder zumindest zum Teil abgeschafft. Manche hoben ihre Freibetragsgrenze an. Durch den erhöhten Einlagenzins sind nun höhere Guthabenzinsen möglich. Diese Zinswende markiert einen fundamentalen Wandel in der europäischen Geldpolitik und bringt für Sparer:innen wieder positive Aussichten. Die schrittweise Anhebung der Leitzinsen zeigt, dass die EZB auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen reagiert und die Phase der Negativzinsen beendet hat.

    💡 Tipp

    Prüfe regelmäßig die Konditionen deiner Bank und vergleiche verschiedene Anbieter. Seit der Zinswende bieten viele Institute wieder attraktive Guthabenzinsen an. Ein Wechsel zu einer Bank mit besseren Konditionen kann sich lohnen, um von den verbesserten Bedingungen zu profitieren. Nutze Online-Vergleichsportale für einen schnellen Überblick.

    ❔ Häufig gestellte Fragen

    Q

    Wann müssen Negativzinsen gezahlt werden?

    Negativzinsen werden fällig, wenn Banken einen negativen Einlagenzins für überschüssiges Geld bei der EZB auf ihre Kund:innen umlegen. Dies geschieht meist erst ab Freibeträgen von 50.000 oder 100.000 Euro auf Spar- und Tagesgeldkonten.

    Q

    Gibt es aktuell noch Negativzinsen in Deutschland?

    Seit Juli 2022 haben die meisten deutschen Banken ihre Negativzinsen abgeschafft oder deutlich reduziert, nachdem die EZB die Leitzinsen angehoben hat. Der Einlagenzins stieg von -0,5 Prozent auf null und weiter ins Positive, wodurch Strafzinsen weitgehend verschwunden sind.

    Q

    Wie kann ich Negativzinsen legal vermeiden?

    Du kannst Negativzinsen vermeiden, indem du die Freibeträge deiner Bank nutzt, dein Geld auf mehrere Konten bei verschiedenen Banken verteilst oder in Wertpapierdepots wie ETFs und Fonds umschichtest. Auch ein Bankwechsel zu einem Institut ohne Negativzinsen ist eine Option.

    Q

    Was ist der Unterschied zwischen Negativzinsen und Verwahrgeld?

    Es gibt keinen Unterschied – Negativzinsen, Verwahrgeld und Strafzinsen sind unterschiedliche Begriffe für dasselbe Phänomen. Alle bezeichnen die Gebühren, die Banken für die Verwahrung von Kundengeldern erheben, wenn der Einlagenzins im negativen Bereich liegt.

    Q

    Warum hat die EZB überhaupt Negativzinsen eingeführt?

    Die EZB führte Negativzinsen als Reaktion auf die Finanzkrise ein, um die Wirtschaft anzukurbeln. Banken sollten motiviert werden, Geld als Kredite zu vergeben statt es bei der Zentralbank zu parken. Dies sollte Investitionen fördern und die Konjunktur stärken.

    Q

    Sind Negativzinsen für Kreditnehmer von Vorteil?

    Ja, während der Negativzinsphase profitierten Kreditnehmer:innen von historisch niedrigen Kreditzinsen. Dies machte Immobilienfinanzierungen, Umschuldungen und andere Kredite besonders günstig. Die niedrigen Zinsen ermöglichten vielen Menschen den Zugang zu günstigen Finanzierungen.